Artikel geschrieben am: 29.12.08
Bobby Burgess Big Band Explosion, 29.12.2008, Rosenau
Eine große Jazzformation als Kult – wo gibt’s denn das? Im Stuttgarter Kulturclub Rosenau. So lautet der hübsche Namen einer Spielwiese, auf der sich die Bobby Burgess Big Band Explosion gerne vergnügt. Und Rosen schmücken die langen Tische des ausverkauften Hauses. Heute am Montagabend wird die zweite CD (MR 874458) der Gruppe präsentiert. Spannung liegt in der Luft.
Den Auftakt macht die Don-Menza-Nummer „Groove Blues“, mit der sich das 16-Mann-Orchester warm spielt. Und wie schnell das auf Touren kommt! Unglaublich, welche Wucht, welche gewaltigen Druckwellen da den Klangraum verdichten. Hell schmettern die Trompeten, antworten sinnlich seufzend die Saxophone, kommen kraftvolle Posaunisten zum Zug. Scharf konturiert sind die geschliffenen Bläsersätze, unter denen eine grundsolide Rhythmusgruppe (Kontrabassist Markus Bodenseh und Schlagzeuger Holger Nell) für knallharten Drive und elastisch federnden Swing sorgt. Martin Schrack am Klavier hat mit seinem löchrig-dynamischen Spiel die Sache im Griff. Die Solisten: allesamt hervorragend.
Aus sämtlichen Himmelsrichtungen sind sie angereist, um dieses höchst belebende Klangbad anzurichten. Aus Köln, Berlin, Nürnberg, zwei gar aus New York. Vor gut zwanzig Jahren, als diese Großformation von den Posaunisten Bobby Burgess und Jo Gallardo gegründet wurde, rekrutierte sie sich aus lauter begabten Studenten der Kölner Musikhochschule. Heute sind das Lehrstuhlinhaber, Dozenten, international gesuchte Free Lancer, die meisten leiten eigene Bands. Auch wenn die Anreise noch so weit, die Gage noch so klein ist – man lässt die BBBB nicht im Stich.
Auf weich hereinrollenden Klangwellen lassen die gut gelaunten Herren sogar Delphine springen: „Dolphin Dance“ heißt die von Bob Mintzer arrangierte Nummer, die Herbie Hancock einmal geschrieben hat. Auf solchen Wellen lässt sich gut surfen, und die Solisten genießen es in vollen Zügen. Die Posaunisten Jürgen Neudert oder Eberhard Budziat etwa, die Saxophonisten Andi Maile oder Klaus Graf, die Trompeter Ralf Hesse oder Sebastian Strempel - und wie sie alle heißen. Alle reißen sie das enthusiasmierte Publikum mit: auf eine rasante Reise durch den Bigband-Jazz. Kompositionen von Cole Porter („Everytime we say Good-Bye“) oder Thad Jones („Don’t Get Sassy“) sind darunter, oft arrangiert vom genialen Bill Holman. Und bei den Nummern von Bandmitgliedern wie Martin Schrack oder Michael Lutzeier muss die Messlatte nicht tiefer gelegt werden. Mit kernigem Charme präsentiert sie der Nürnberger Musikprofessor Klaus Graf, einer der besten Altsaxophonisten im Land. Doch nicht die Solisten, das Team ist der Star. Mit der Präzision eines gut geschmierten kraftvollen Motors steuert die Bigband durch rhythmisch Vertracktes, harmonisch Komplexes, aber auch durch wolkenweiche süß-traurige Balladen wie Billy Strayhorns „Lush Life“ mit einem intensiven Solo von Graf. Eilends begeben sich viele Menschen nach dem umjubelten Konzert noch einmal zur Kasse: Dort wird die brandneue CD dieser Kultband feil geboten. Thomas Staiber
~ Thomas Staiber
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