Artikel geschrieben am: 09.12.06
Rebekka Bakken & Band, Theaterhaus T1, 9.12. 2006
Es ist wie im Märchen vom hässlichen Entlein, aus dem ein schöner Schwan wird. Eine leicht unsicher und hölzern wirkende Sängerin aus Norwegen war vor vier Jahren im alten Theaterhaus vor 25 (!) Besuchern aufgetreten, am Samstagabend nun war der große Saal des neuen Theaterhauses mit gut 700 Menschen voll besetzt. Sie erlebten Rebekka Bakken, eine inzwischen vom Erfolg verwöhnte Frau, die sich nicht nur ihrer gesanglichen Qualitäten, sondern auch ihrer körperlichen Vorzüge bewusst ist. Lässig und strahlend bewegt sie sich im Rampenlicht. Ihre gut eingespielte Viermann-Band aus Skandinavien funktioniert als Begleitcombo - auch wenn der Gitarrist und der Keyboarder mit starken Soli glänzen können. Im Mittelpunkt des Interesses steht die hoch gewachsene Norwegerin mit den langen blonden Haaren, dem weichen Mund, den entschlossenen Augen, die alle Blicke auf sich zieht. Sie setzt sich lasziv auf einen Hocker, zeigt, dass ihr Beine lang und schlank sind, und singt das Lied vom sitzen gebliebenen Verlierer. Ihre Dreioktavenstimme klingt rauchig und scharf, als sie den Blues singt. Wie wandlungsfähig sie ist, zeigen die nächsten Songs. Einmal gibt sie sich in ihrer ganzen Verletzlichkeit preis mit einer Mädchenstimme wie frisches Wasser. Kraftvoll und vibratolos trägt diese Stimme, allein beflügelt vom Mann am Klavier. Rebekka Bakken singt ein norwegisches Volkslied. Bilder von hellen Landschaften stellen sich ein, Erinnerungen an den Geruch von Birkenharz, an den Anblick von Wolken, die sich in einem See spiegeln. Die Bass-Drum dröhnt, der E-Bass schaukelt, und man betritt einen neuen Klangraum. Das Meditative wird weggeweht, man bewegt sich zum Rhythmus eines entspannten Country Blues. Auch hier ist Rebekka Bakken ganz in ihrem Element. Sie singt „Ghost In This House“, flirtet mit dem Publikum, erzählt Beziehungsgeschichten und stellt die Lieder ihrer aktuellen CD „I Keep My Cool“ vor. Die klingen im Konzert nicht wie in Watte gepackt. Statt Geigen hören wir eine sehnsüchtige Hammond-Orgel. Rebekka Bakken mimt eine Betrunkene, gibt den verruchten Vamp und danach einen Unschuldsengel. „Adult Music“ wird im Angelsächsischen solch ein intelligenter und sinnlicher Mix aus geschmeidigem Pop, aufregendem Rock und einer Messerspitze Jazz genannt. Das Publikum im Theaterhaus weiß das zu schätzen. Thomas Staiber
~ Thomas Staiber
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