Artikel geschrieben am: 06.02.10

--- (Datei: Bakken 6.2.2010)

Rebekka Bakken & Band, 6.2.2010, Theaterhaus

Ist das nicht romantisch? Eine Frau wacht neben ihrem schlafenden Liebsten auf und schneckelt sich an ihn, damit er, wenn er die Augen aufmacht, als Erstes sie erblickt und der Tag liebevoll beginnt. Die daunenweiche Ballade, die diese Szene beschreibt, findet sich auf der CD „Morning Hours“, dem neuen Album der norwegische Popsängerin Rebekka Bakken. Mit ihrer Viermanncombo stellt sie es 750 begeisterten Besuchern im Stuttgarter Theaterhaus vor. Die erleben die hoch gewachsene Norwegerin changierend zwischen unschuldigem Rauschgoldengel mit blond gelocktem Haar und verruchtem Vamp auf bleistiftdünnen High-Heels.
„Morgenstund’ hat Gold im Mund“ – selten hatte das Sprichwort eine charmantere Bedeutung als bei diesen hübschen Morgenliedern. Rebekka Bakkens Stimme strahlt. In höheren Registern ist sie frisch wie kaltes Wasser, doch wenn sie in wärmere Altlagen hinunter sinkt, entfaltet sie eine ungeahnte Sinnlichkeit. Vom langsamen Fluss der Musik lässt sich die 39-jährige Norwegerin tragen. Mit tadelloser Modulation und punktgenauer Phrasierung steuert sie sie. Hinein ins Herz des Publikums, das an ihren Lippen hängt.
Besonders anrührend ist „Der Schnee draußen schmilzt“, ein Lied von Ludwig Hirsch, das sie mit österreichisch-skandinavischem Akzent zum Besten gibt. Vier Jahre hatte sie mit dem Jazzgitarristen Wolfgang Muthspiel in Wien gelebt, vor kurzem ist sie nach Schweden gezogen. Doch schon dröhnt wieder leise die Bass-Drum, die Besen streichen sanft über die Trommelfelle, vom Flügel her perlen helle Töne, und der E-Bass schaukelt beschwingt. Ein anderer Klangraum öffnet sich. Lässig bewegt sich die schöne Norwegerin in ihrem schwarzen Minikleid auf dem Barhocker zu einem entspannten Country Blues. Nun legt sie gesanglich eine Schippe drauf und singt inbrünstig den Blues, bis er lavaheiß den Klangraum füllt.
Mit kleinen Geschichten lockert sie die Stimmung auf und kratzt damit lachend am eigenen Star-Nimbus. So freut sie sich diebisch über das Gratistörtchen, das sie mittags im Stuttgarter Kunstmuseum zum Espresso bekam, erzählt von kleineren Schminkzimmerkatastrophen und ihren Fernsehgewohnheiten als Kind, das im heimatlichen Oslo ausgerechnet Horst Tappert bewunderte. Das Publikum lacht, um sich dann vom nächsten selbst geschriebenen Song der blonden Pop-Sängerin gefangen nehmen zu lassen. Besonders anrührend: “There’s No Easy Way To Leave You“, “Ghost In This House” und „Turn Around“. Nach über hundert Konzertminuten interpretiert Rebekka Bakken als Zugabe Cindy Laupers “Time After Time” – und ein Chor von 750 Stimmen singt mit ihr den Refrain. Und draußen schmilzt der Schnee… Thomas Staiber

















 

~ Thomas Staiber

Deko Füller
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