Artikel geschrieben am: 28.01.10

--- (Datei: Armatrading Interview dt.)

Joan Armatrading Interview, 28.1.2010

Stai: Joan Armatrading, auf Ihrer neuen CD This Charming Life präsentieren Sie sich als Rock-Lady.
J. A. (lachend): Ja, bisher habe ich immer verschiedene Stile in meine Musik hineinfließen lassen: Blues, Folk, Reggae, Rock und Jazz. Meine vorletzte CD jedoch waren lauter Blues-Aufnahmen, dem ich nun eben ein Rock-Album folgen ließ.
Stai: Sie spielen die meisten Instrumente selbst.
J.A.: Ja und zwar als Autodidakt. Bis auf das Schlagzeug habe ich alles auf dieser Platte selbst eingespielt.
Stai: Der Titel This Charming Life könnte auf Menschen, die in Not sind, zynisch wirken.
J. A.: Im Gegenteil. Ich bin Gott dankbar, dass ich ein erfülltes Leben als Musikerin führen darf. Meine Lebensfreude gebe ich den Menschen als positive Energie weiter. Gerade auch solchen, denen es nicht gut geht. Das tue ich seit vierzig Jahren, und ich möchte nicht aufhören, Musik zu machen bis ich sterbe.
Stai: Wie lassen Sie sich inspirieren?
J.A.: Wie ein Schriftsteller nehme ich bewusst wahr, was um mich herum, in meinem Alltag passiert. Ich mache mir Notizen, aus denen manchmal ganz schnell ein Song wird. Auch fällt mir am Klavier oder wenn ich Gitarre spiele eine Melodie ein, der Text folgt in diesem Fall dem Rhythmus der Musik.
Stai: Was hören Sie zurzeit auf Ihrem i-pod?
J.A.: Othello von Shakespeare. Ich höre nicht viel Musik. Trotzdem weiß ich, weil ich gelegentlich Musiksendungen mit Jools Holland im Fernsehen anschaue, ganz gut über die aktuelle Szene Bescheid. Ich mag zum Beispiel The Killers, Black Eyed Peas, Amy Winehouse und Jay-Z. Ich selbst bin dort auch schon aufgetreten.
Stai: Sie haben Musikerinnen wie Tracy Chapman geprägt. Sind Sie selbst von Joni Mitchell und Van Morrison beeinflusst worden?
J.A.: Ich habe nie irgendjemand nachgemacht. Ich schreibe und mache Musik seit ich vierzehn bin. Joni Mitchell und Van Morrison, die ich beide wunderbar finde, habe ich mit zwanzig erstmals gehört. Da hatte ich meinen Stil schon gefunden.
Stai: Bedeutet Ihre neue CD, bei der Sie überwiegend Rock-Elemente verwendet haben, für Sie nun einen stilistischen Richtungswechsel?
J. A.: Nein, es ist mehr ein Spiel, das ich ausprobiere. Ein Spiel, das mir Spaß macht. Und ich freue mich auf die Tournee, die am 3. März in Köln beginnen wird.
Stai: Sie werden von viele Feministinnen verehrt.
J. A.: Das ist doch schön. Ich bin aber keine Galionsfigur des Feminismus. Ich finde es wichtig, dass Frauen ein selbst bestimmtes Leben führen. Und natürlich bin ich als schwarze Musikerin gegen alle Formen der Benachteiligung auch in diesem Bereich.
Stai: Sie sprechen britisches Englisch, singen aber mit amerikanischem Akzent.
J.A.: Ja, das hat sich ganz natürlich beim Singen so ergeben. Viele englische Pop-Sänger tun das auch. Aber ich fühle mich „very British“.
Stai: Sie haben ja schon die Queen kennen gelernt.
J.A.: Ich habe sie mehrmals getroffen und bin von ihrer Art und ihrer würdevollen Ausstrahlung beeindruckt. Sehr stolz bin ich auch darauf, dass Prinz Charles mir den MBE verliehen hat, den britischen Verdienstorden.
Stai: Darf ich Sie zum Schluss fragen, welche Bedeutung Musik für Sie hat?
J.A.: Man müsste sie erfinden, wenn sie es nicht gäbe! Musik lässt die Menschen in Kontakt mit ihren Gefühlen kommen. Musik ist die stärkste Kommunikation der Welt.


 

~ Thomas Staiber

Deko Füller
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