Artikel geschrieben am: 06.11.02
11. Aalener Jazzfest 06. – 10. 11. 2002
Vorbericht
Wenn die Blätter treiben, geht es auf der Ostalb gut ab. Hut ab! In Aalen wird von Ingo Hug (künstlerische Leitung) und ehrenamtlichen Helfern des Kulturveranstalters „kunterbunt“ und der Stadt (Tel. 07361-64158) zum elften Mal ein Jazzfest auf die Beine gestellt, zu dem Kenner aus ganz Europa anreisen.. Das fünftägige Festivalprogramm ist wieder derart gespickt mit Hochkarätern des Jazz, dass man – gerade auch hier in der Landeshauptstadt - aus dem Staunen nicht herauskommt.
Da ist alles versammelt, was auf der Szene Rang und Namen hat: In den Sparten Klassischer Jazz, Soul, Funk, Hiphop und Weltmusik gehen etwa 35 Konzerte und Sessions über die Bühne(n). Beispiele gefällig?
Dianne Reeves, die charismatische Jazzvokalistin, präsentiert im Auftaktkonzert mit ihrer kräftigen Altstimme und notorisch guter Laune Perlen aus dem Great American Songbook. Tags darauf öffnet ein einziges Ticket alle Konzerttüren. Und am Freitag ist Party Time in der Großen Kreisstadt mit dem herben Charme: Kool & The Gang heizen mit Retro-Funk und scharf geschliffenem Brass-Rock, Joe Zawinul („Mercy, Mercy, Mercy“), legendärer Keyboarder bei Cannonball Adderley, Miles Davis und Weather Report, bringt mit weltmusikalisch angehauchtem Elektro-Groove wieder mal die Stimmung zum Brodeln. Saxophonist Bill Evans, ein anderer Wegbegleiter von Miles, hat anschließend mit seinem neuen Projekt „Big Fun“ leichtes Spiel und die „Soul Brothers“ um Wolfman (Original Hammond B3) werden bei ihrer Late-Late-Show ab 1h30 noch einen drauf setzen.
Besonders freuen darf man sich auf einen Jazzgiganten. Ron Carter, 65, spielt Kontrabass wie kein Zweiter: aufs Wesentliche reduziert, geschmeidig swingend, voller emotionaler Kraft und Eleganz. Sein Rhythmuskonzept hat eine ganze Generation von Jazzbassisten geprägt. Das Ron Carter Quartet – bestimmt ein Festival-Highlight. Nach dem jung gebliebenen Alten die jungen Coolen: Mousse T., einer der erfolgreichsten Mixer, Produzenten und DJs weltweit wird als „Gourmet de Funk“ die Turntables bedienen. Es folgen am Samstag weitere DJs, die Discobox & Act Of Contrition und das Trio Mocotó
Am Samstag drückt Pianist Abdullah Ibrahim, der sich mal Dollar Brand nannte, im rechten Augenblick auf Elfenbein und Ebenholz und bringt „Good News From Africa“ auf die Ostalb. Drei andere Klaviertrios sorgen derzeit für Furore: das finnische Trio Töykeät , das schwedische E. S. T. mit richtungsweisendem Triojazz, der eine unglaubliche Sogwirkung entfaltet, und schließlich der kubanische Jazzpianist Michel Camilo mit klassischem Jazz in karibischem Gewand.
Ausnahmetrompeter Roy Hargrove aus Texas und deutsche Spitzenjazzer wie Schlagzeuger Wolfgang Haffner und das Ehepaar Weinert an Gitarre und Bass runden das 11. Aalener Jazzfest ab. Nach dem Motto: Wer einmal kommt, kommt immer wieder.
Thomas Staiber
~ Thomas Staiber
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