Artikel geschrieben am: 02.11.07

Aldo-Romano-Trio

Außergewöhnlich! Der Chef dieses Piano-Trios sitzt nicht auf dem Klavierstuhl, sondern hinter dem Schlagzeug. Mit fleißiger Besenarbeit treibt Aldo Romano – meist zufrieden lächelnd - den Rhythmus an, bis der schnurrt wie ein Kätzchen. Dynamische Akzente streut er mit präzisen Schlägen auf Beckenränder ein, er lässt das Hi-Hat munter hüpfen, die Bass Drum dröhnen. Das tut er entschieden, aber nicht mit roher Gewalt. Würde er fechten, wäre das Florett seine Waffe. Der Kontrabass von Rémi Vignolo ist eher zu spüren als zu hören. Ein gutes Zeichen. Der Mann am Klavier ist jung, er hat Geschmack und bevorzugt ein geschmeidig fließendes Spiel. Hie und da ein Widerstand, ein Wirbel, eine Gegenläufigkeit würden die Sache noch aufregender machen. Aber das besorgt ja der 65-jährige Rhythmusmann aus Paris, ein gebürtiger Italiener. „Bridge Over Troubled Water“ spielt die Band. Gefällig der Pianist, zurückhaltend der Bassist, spannend der Drummer. Mit dem Wiegenlied „Dreams And Waters“, einer wunderschön dahingleitenden Originalkomposition, wird das Publikum später auf den Heimweg geschickt. Inzwischen hat sich Pianist Baptiste Trotignon frei gespielt. Er beeindruckt und berührt die Zuhörer immer mehr. Innig ineinander gefügt wirkt das Zusammenspiel der drei romanischen Jazzmusiker. Robuster werden dann die Interaktionen bei „Black Dog“ von Led Zeppelin. Ein starker Jazzreflex strahlt von dieser Hard-Rock-Nummer aus. Heftig nun auch der Applaus.

Improvisierte Musik mit fein austarierten Arrangements scheint für Aldo Romano ein Werkzeug der Erinnerung zu sein: an ferne Orte („Carnet De Routes“), an vergangene Zeiten („Flower Power“). Grenzen zwischen den Genres beachtet er nicht, Schubladendenken bleibt ihm fremd. Sein Interesse bei diesem jüngsten Projekt gilt den harmonischen Strukturen von Rock- und Pop-Klassikern wie Dylans Mr. Tambourine Man. Es ist ein Spiel von Analyse und Synthese. Doch so weit geht die Dekonstruktion nicht wie bei Herbie Hancock, der einmal mit diebischer Freude das Wiedererkennen der Lieder quasi verhindert hat. Aldo Romano will vielmehr den melodischen Kern herausschälen, Türen von Klangräumen öffnen, im Freien improvisieren, um am Schluss zum Thema zurückzufinden. Das beste Beispiel dieses schönen Jazzkonzertes, das vom Institut Francais unterstützt wurde, ist Jim Morrisons Ballade „The End“.

~ Thomas Staiber

Deko Füller
Familienbild