Artikel geschrieben am: 02.11.09

--- (Datei: 30. Stgt Jazztage)

30. Stuttgarter Jazztage XL – Das Festival der Jazzclubs der Landeshauptstadt
Stuttgart ist eine Jazzstadt. Nicht irgendeine. Stuttgart braucht den Vergleich mit Berlin, Köln oder München nicht zu scheuen. Seit dreißig Jahren präsentiert sich die Szene auf dem herbstlichen Festival und lässt sich da mit nationalen Maßstäben messen. Schlecht abgeschnitten hat sie dabei nie. Das liegt auch am Studiengang Jazz der Stuttgarter Musikhochschule, der die Szene belebt wie eine Frischzellenkur.
Dieses Jahr pulsieren die Jazztage besonders stark. Die Veranstalter haben dem Festivalnamen selbstbewusst die Größenbezeichnung XL hinzugefügt „Im Boot sind die IG Jazz, das Bix, die Jazz Society, das merlin, die Kiste, jazzcom und tempus im Haus der Geschichte. Nur die Jazzinitiative ist nach dem Tod von Charles Höllering und wegen Pachtverhandlungen dieses Jahr nicht dabei“, sagt Martin Keller von der IG Jazz.
Um sich nicht dem Vorwurf dirigistischer Programmauswahl auszusetzen, wurde über das Popbüro eine Ausschreibung initiiert. Die hiesige Jazzszene sollte sich mit neuen Projekten präsentieren. Dies wirkte als innovativer Anschub in die Szene hinein.
Eine Kommission wählte dann von vierzig Vorschlägen zwölf Jazzkonzepte aus. Vom 2. bis zum 8. November wird nun in vier Spielstätten gejazzt, was das Zeug hält. Olivia Trummer, die junge herausragende Pianistin, wird beispielsweise im Bix ein Eichendorff-Projekt vorstellen, bei dem romantische Lyrik in einem Liederkreis auf zeitgenössische Improvisationsmusik trifft. Mit von der Partie sind Tenorsaxophonist Libor Sima und Claudio Puntin, Bassklarinette.
Gesang ganz anderer Art bietet Anne Czichowskys Re-Bop, ein unterhaltsames Vokalensemble, das sich von einem exzellenten Pianotrio begleiten lässt. Gespannt sein darf man auf ein explosives Gemisch im Merlin. Dort trifft nämlich eine Brass Band auf Punkrock: Louisiana Funky Butts meets The Renderings. Zu Gehör kommen sollen New Orleans-Klassiker und Punksongs von den Sex Pistols und den Ramones. Ob das mal gut geht?
Posaunist Eberhard Budziat macht seinem neuen hochkarätigen Quartett Jazz pur. In der stimmungsvollen Kiste wird melodisch geswingt, ausdrucksstark improvisiert und die brandneue CD vorgestellt werden.
Die Jazz Society startet anlässlich der 30. Jazztage mit dem Mundartdichter Peter Schlack und dem Mornhinweg-Trio eine neue Reihe im Tempus: Geschichten und traditioneller Jazz.
Kindern wird am Sonntagnachmittag etwas Hübsches geboten. Zu diesem Konzert mit vier der besten Stuttgarter Jazzern sollen Rasseln mitgebracht werden, damit es beim Tigerlied auch richtig abgeht.
So gut gelaunt, so schön und vielfältig die Jazztage auch über die vier Bühnen gehen mögen, so herrscht auf der Szene doch nicht nur eitel Sonnenschein. Gewitterwolken trüben die Stimmung gewaltig. Ein befürchteter kultureller Kahlschlag beunruhigt Musiker, Veranstalter und Jazzfreunde. „Wenn unsere Förderung gestrichen werden sollte“, sagt etwa Mini Schulz mit bitterer Miene, „müssen wir das Bix dicht machen.“ Schöne Aussichten!
Am 19. November werden zahlreiche Kulturschaffende mit der Demonstration Art Parade in Stuttgart ihre Sorgen öffentlich machen. Die Jazzer werden natürlich auch dabei sein und unüberhörbar ins Horn stoßen. Politiker aufgepasst! Thomas Staiber





 

~ Thomas Staiber

Deko Füller
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