Artikel geschrieben am: 07.12.03
BasssDrumBone
Lange bevor Bass & Drum in den Tanzhallen den Takt angab, tauften drei talentierte junge Amerikaner ein Jazztrio „BassDrumBone“. An der Musikhochschule waren sie mit der zeitgenössischen Musik und John Cage in Berührung gekommen, sie hatten intellektuell höchst anspruchsvollen Jazz mit Anthony Braxton gemacht - und daheim Platten von James Brown, Sly Stone und Jimi Hendrix aufgelegt. In ihrer - bald ziemlich bekannte – Band verschmolzen solch heterogene Stile zu einem Amalgam, das von Gefühl und Kalkül bestimmt war, also Spaß machte und hohen Ansprüchen genügte.
Das Konzept funktioniert, wie man nun in der Dieselstraße erleben konnte, auch nach 25 Jahren derart prächtig, dass die drei Herren – inzwischen um die fünfzig – keinerlei Anlass sehen, daran etwas zu ändern. Nicht rotzig wie gewohnt als Funkattacke, sondern mit ganz schlanken und fragilen Tönen eröffnet Ray Anderson den Avantgardejazzabend. Hemingway schabt ein wenig an den Trommelfellen und Helias wiederholt ein singendes Flageolett. Wie ein Erwachen im Dunkeln beginnt diese Musik und kommt zögernd in Fahrt. Das erstaunliche flüssige Posaunenspiel wird schnell und schneller, ein Growlspiel mit menschlichen und tierischen Stimmen beginnt, der Bass marschiert unverdrossen und der Drummer treibt seine raffinierten Rhythmusschichtungen vor sich her. Dann geht’s hinein in die warme Sinnlichkeit einer Ballade, die an den Rändern scharf aufgeraut wird, damit die Klänge nicht allzu honigsüß heruntertropfen.
So halten sie es mit der Harmonie: Wohlklänge blühen auf wie ein versprochenes Paradies, aber wieder in Frage gestellt, wohl wissend, dass das Leben nicht nur Glücksmomente bereithält. „Questionmark“ heißt ein Stück von Mark Helias – es setzt hinter Klischees Fragezeichen. BassDrumBone führt Musik immer als Prozess, nicht als fertiges Klangbild vor. Zur Freude des Publikums als eine humorvolle Veranstaltung, die großes Vergnügen bereitet. Mal klingt das „wie eine Bluesband mit Free-Jazz-Vergangenheit“, mal abstrakt, als ob Kandinsky selbst das Klangbild entworfen hätte, dann wieder atemlos swingend wie eine kleine Combo aus New Orleans. Wie im Flug vergeht da die Zeit, und das begeisterte Publikum erklatscht sich noch eine Zugabe, um sich dann angeregt plaudernd auf den Heimweg in einer klaren Mondnacht zu machen.
~ Thomas Staiber
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