Artikel geschrieben am: 21.01.11

Thomas Siffling

Trompeter Thomas Siffling, Jazzpreis Baden-Württemberg 2005
Der Trompeter und Flügelhornist Thomas Siffling ist ein erstaunlich vielseitiger Musiker. Er macht Dampf in allen Gassen. Je nach Bedarf spielt der 33-jährige Karlsruher traditionell, Mainstream, freien zeitgenössischen Jazz, aber auch sanften elektronischen Lounge-Jazz, er stößt bei der lustigen Mardi Gras Band ins Horn und spielt ernsthaft im Bundesjugendjazzorchester von Peter Herbolzheimer (, der am 31. Dezember übrigens seinen 70. Geburtstag feiern wird). Die Söhne Mannheims haben ihn ins Boot geholt („Babylon System“), Hallenfüller Xavier Naidoo ebenfalls. Zuletzt bat ihn Ausnahmepianist Joachim Kühn ins Aufnahmetudio.
Soeben hat Thomas Siffling mit Jens Loh  (Bass) und Markus Faller (Schlagzeug) eine CD mit zeitgemäßen Sounds im eigenen Label („Change“, InA 2504)  veröffentlicht. Das sehr gut eingespielte Trio trumpft nicht lautstark auf, doch im Zentrum leuchtet das ausdrucksstarke Trompeten- und Flügelhornspiel Sifflings, der acht Eigenkompositionen beigesteuert hat. Eine starke Cover-Version von Stings „Walking On The Moon“ findet sich auf der Platte, eine hitverdächtige Nummer mit dem hübschen Titel „Aufbäumen der Gefühle“ und ein relaxt in den Hüften sich wiegender „Bangkok Reggae“. Kurz: „Change“ gleicht einem entspannten, melodiös groovenden Spaziergang durch Jazz und Pop. Ungewöhnliche Instrumente wie Schellenkranz, Rahmentrommel, Cajon oder ein Kontrabass mit Wah-Wah-Effekten tragen zur erstaunlichen Klangvielfalt dieser akustischen und elektronisch groovenden CD bei, die bereits für die Bestenliste der Deutschen Schallplattenkritik nominiert wurde.
Bei zahlreichen Projekten trägt der agile Bläser mit der Bach-Trompete in Silber sein Scherflein bei. So kommt er auf bis zu 150 Auftritten pro Jahr. Auf den langen Autofahrten zwischen den Gigs komponiert er und singt in ein Diktiergerät hinein. Vielleicht sieht man ihn ja einmal auf der Autobahn.
Zum Jazz kam er – wie viele andere – durch einen Lehrer; dieser unterrichtete Religion und leitete die Schul-Big-Band. Nicht etwa durch Sifflings Bruder, der in einer Dixieland-Band im Icecream-Rhythmus Klavier spielte. Denn als cooler Heavy-Metal-Rezipient hatte Thomas für diese Art von Mucke damals nur ein kurzes verächtliches Lächeln übrig. Dann folgte das Studium der Jazztrompete in Heidelberg-Mannheim, Siffling machte bei Claus Stötter ein Aufbaustudium an der Stuttgarter Musikhochschule, spielte unter anderem bei Bernd Konrad und Rainer Tempel, er trat diversen Big-Bands bei, begleitete Größen wie Maria Schneider, Frank Foster, Bobby Shew oder Al  Porcino und tourte in der Weltgeschichte herum. 
Preise ließen da nicht auf sich warten. Der Mannheimer Kulturförderpreis etwa und nun der renommierte, mit 13.000 € dotierte Jazzpreis des Landes (, den nach vielen Schwaben auch wieder mal einer aus dem Badener Land erhalten hat). Geehrt wurde eine der vielseitigsten und besten Trompetenstimmen, die es im deutschsprachigen Raum gibt.

~ Thomas Staiber

Deko Füller
Familienbild