Artikel geschrieben am: 21.01.04

Jo Ambros

In seiner Laudatio kündigte Prof. Bernd Konrad das Konzert des diesjährigen Jazzpreisträgers zu Recht an als „klingendes Abenteuer für offene Ohren“. Nach der Preisverleihung durch Minister Prof. Dr. Peter Frankenberg erlebte das begeisterte Festpublikum im Theaterhaus innige, manchmal heftige, aber immer lebendige Improvisationsmusik auf hohem Niveau, jungen, kraftvollen und beseelten  Jazz eines viel versprechenden Musikers aus dem Land.
Jo Ambros. Der Nachname des 31-jährigen Böblingers verweist auf die Speise, der die griechischen Götter ihre Unsterblichkeit verdanken. Was für ein Zeichen für einen Künstler wie ihn, der Bleibendes schaffen will! Hohe Ansprüche stellt dieser junge Jazzgitarrist. Nicht zuletzt an sich selbst. Musik solle die Menschen berühren, sagt er, und hat Tränen in den Augen, als eine Ballade von Lester Young aufgelegt wird. Ein Konzert, fährt er fort, müsse ein Erlebnis sein, das Kraft gibt. Mit Nettigkeiten und Klischees sei es nicht getan.
Ambros öffnet sich von jeher für Neues, Authentisches. Das Handwerklich-Technische dürfe kein Selbstzweck sein,  betont er, Musizieren kein bloßes Vorführen von Fertigkeiten. Ambros will Gefühle ausdrücken und ansprechen, Lust und Trauer in einer schönen und facettenreichen Improvisationsmusik aufheben. Vor allem will er spielen - für sich und für andere.
Als Schüler im Albert-Einstein-Gymnasium (Leistungskurs Musik) hat er in bis zu acht verschiedenen Bands gespielt. Swing, Bebop, Heavy Metal – wo er gebraucht wurde. In einer gut bestückten Böblinger Bibliothek hörte er nebenher alle Tonaufnahmen, die er kriegen konnte. Von Garbarek bis Sonic Youth. Nach dem Abitur und dem Zivildienst spielte er in sechs Musikhochschulen vor - und hätte in allen anfangen können. Er entschied sich für Würzburg, kam zurück nach Stuttgart zu Prof. Konrad und studierte bei Werner Acker. „Ist musikalische Eigenständigkeit lehrbar?“ - der Titel seiner Diplomarbeit. Mit einem DAAD-Stipendium in der Tasche konnte er sich einen Traum erfüllen: New York. „Hier konnte ich völlig so sein, wie ich bin.“ Er studierte weiter und besuchte ein Konzert nach dem anderen: John Zorn im Tonic, das Boston Symphony Orchestra in der Carnegie Hall, Randy Newman im Central Park, Kit 606 in einem angesagten Electronic-Music-Club. Lieber hat er weniger gegessen, als auf ein Konzert zu verzichten. „Der Himmel auf Erden“, nennt er diese Zeit.
Zurück im Ländle, das er wegen des Qualitätsbewussteins schätzt, tourte er mit einer erfolgreichen Klezmer-Band und konnte von der Musik leben. Man trennte sich, Ambros zog es nach Berlin, „weil diese weltoffene, lebendige Stadt mich fasziniert“ und lernte - unter verschärften Konkurrenzbedingungen - die andere Seite des Musikerlebens kennen: wenig Auftrittsmöglichkeiten, kaum Gitarrenschüler, zu wenig Geld, um in die Künstlerkrankenkasse einzuzahlen, ja sogar einmal, um die Gasrechnung zu begleichen. Ambros wechselte den Platz am Schreibtisch und absolvierte im Berliner Tränenpalast und bei Festivals Praktika im harten Musikgeschäft.
Das ist sein Zukunftstraum: als Musiker in verschiedenen Projekten spielen und als Manager in der Kulturvermittlung arbeiten. Ersteres verwirklicht er jetzt schon. Mit Jazzern aus der Stuttgarter Region hat er zwei dml-CDs aufgenommen, „Wanderlust“ und „Frimfram Reality Music“. Diesen beiden wunderbar gelungenen CD-Projekten und seinen zahlreichen jazzmusikalischen Aktivitäten – unter anderen mit Helen Schneider und Ron Spielman - verdankt Jo Ambros den Jazzpreis 2004. „Noch nie habe ich einen 5-stelligen Betrag auf dem Konto gehabt“, strahlt der sympathische Saitenkünstler und überlegt sich, was er mit 12782 € anfangen kann und wie die Zukunft sich erfolgreich gestalten ließe.

~ Thomas Staiber

Deko Füller
Familienbild