Artikel geschrieben am: 01.01.70

--- (Datei: Weber Jazztage05)

Das Große Geburtstagskonzert zum 65. von Eberhard Weber 24. März 2005
20. Internationale Theaterhaus Jazztage
Mit einem Paukenschlag beginnt Igor Strawinskys „Höllentanz“ - und der dreistündige Konzertabend zum 65. Geburtstag des Bassisten Eberhard Weber. Nicht mit Jazz also, sondern mit dieser märchenhaften und kontrastreichen Komposition eröffnet das Radio-Sinfonieorchester Stuttgart unter der Leitung von Roland Kluttig die 20. Internationalen Jazztage im Theaterhaus.
Der renommierte, gut durchtrainierte und hochsensible Klangkörper begeistert von Anfang an das Publikum im ausverkauften Haus. Der Jubilar selbst führt durchs Programm, das über sein ganzes musikalisches Leben einen Bogen spannte. Weber tat es lässig und mit lapidarem Humor - wie es seine Art ist. (Er ersetzte Michael Naura, der als peinlicher Schwätzer am Vorabend aufgefallen war.)
Der Sohn eines Musiklehrers war als junger Kontrabassist durch Wolfgang Dauner von der Klassik zum Jazz gekommen. „Yesterdays“ von Jerome Kern spielen nun die beiden im Duo. Glockenklar das Klavierspiel, singend der Bass: von Kameraderie und falscher Sentimentalität keine Spur. Hier erinneren sich zwei gestandene Künstler respektvoll und einfühlsam an eine wichtige Wegstrecke – mit den Mitteln der Musik. Für Wolfgang Dauner öffnet sich mit der Klassik eine weite Tür, die er als junger Klavierschüler schon einen Spalt weit aufgestoßen hatte. Seine Haydn-Bearbeitung zaubert ein Lächeln auf die Lippen der Menschen, auch auf die des sichtbar vergnügt agierenden Dirigenten.
Das Orchester wurde dann zum zweiten Auditorium, denn Weber legte seinen alten Kontrabass beiseite und begab sich mit seinem fünfsaitigen körperlosen Spezialbass auf eine elektrisch verstärkte Solofahrt durch den Klangraum. Staunen und Beifall für schwirrende Klangflächen und frisch aufblühende Melodien, für musikalische Bumerangflüge und Loops. Das Schöne dabei: Weber ist kein Narziss, der mit sich selber spielt, sondern ein musikalischer Geschichtenerzähler, der die Zuhörer berührt.
Auf der Höhe seiner Möglichkeiten (und ohne Jazzer) spielte das RSO einen wolkenweichen spanischen Tanz von Maurice Ravel und ein kurzes heftiges Stück von John Adams, bevor mit dem norwegischen Saxophonisten Jan Garbarek ein anderer Weggefährte auftrat. Im Einklang mit Webers kantablem Bassspiel erwies der sich einmal mehr als Klangästhet, dem Klischees und Oberflächlichkeit ein Gräuel sind. Zusammen mit der Rhythmusfee Marilyn Mazur aus Dänemark, dem US-Vibraphonisten Gary Burton und dem Kölner Pianisten Rainer Brüninghaus wurde nun der Klangraum frisch gestrichen. So dynamisch und farbenfroh, als habe Kandinsky selbst den Pinsel geführt: Der Jazz zeigte sich von seiner besten Seite.
Nino G., ein junger Schweizer Beat-Box-Spezialist, sorgte als Überraschungsgast mit rhythmischer Mundakrobatik für ungläubiges Staunen und Lachen. Da blieb dem anderen Eidgenossen Reto Weber (Perkussion) nur die Rolle eines schmunzelnden Begleiters.
Dann kam es zum finalen Cross-Over von Jazz und Klassik. Doch obwohl Eberhard Weber seine stärksten Kompositionen ausgewählt hatte verlief diese Begegnung nicht auf Augenhöhe. Dem Orchester wurden Begleitfunktionen zugewiesen, die es unterforderten. Dem traumhaften Abend tat das keinen Abbruch. Das Publikum trampelte lautstark und stand am Ende auf, um sich für ein unvergessliches Musikerlebnis zu bedanken.
Thomas Staiber

~ Thomas Staiber

Deko Füller
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