Artikel geschrieben am: 01.01.70

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20. Internationale Theaterhaus Jazztage „Union French-Américaine“ 28.0305
Blau-weiß-rot waren die Farben der letzten Festivalnacht. Die Farben Frankreichs und der Vereinigten Staaten von Amerika.
Ob diese Allianz im Jazz derzeit besser funktioniert als in der Politik, zeigten drei ganz unterschiedliche Konzerte. Als triumphaler Ausklang stand der Auftritt der großen Jazzsängerin Dee Dee Bridgewater mit ihrem Programm „J’ai Deux Amours“ am Ende der 20. Theaterhaus Jazztage.
Wenn Glaubwürdigkeit ein Kriterium für die Qualität einer Sängerin ist – und davon sind wir überzeugt -, muss jedoch hinter den fulminanten Auftritt von Dee Dee Bridgewater ein dickes Fragezeichen gesetzt werden. Mit Dianne Reeves wird die 54-jährige Sängerin aus Memphis, Tennessee, zu den legitimen Nachfolgerinnen von Ella Fitzgerald gezählt. Zu Recht: Ihre Phrasierung ist herausragend und sehr persönlich, ihr Scat einfallsreich und temperamentvoll, ihre Stimme kräftig und nuanciert, ihre Bühnenperformance professionell, ihre Ausstrahlung charmant. So weit so gut.
Doch was sie und ihr Jazzquartett aus den französischen Chansons gemacht haben, war Jazzoper: aufgedonnerte Arrangements und großer, manchmal affektierter Gestus der Vokalistin. Mit Routine, die sie zahlreichen Musical-Auftritten verdankt, verbreitete sie bei ihrer Show gute Laune, von der sich das Publikum mehr noch als ihre Musiker anstecken ließ. Umso druckvoller gingen die zu Werk, lauter glänzende Solisten, und verdichteten den Klangraum derart, dass der Phantasie, den Erinnerungen des Zuhörers kaum mehr Platz blieb. In „La Mer“ von Charles Trenet, das im Regen sanft die Möwen wiegt, kam in dieser Cover-Version Sturm auf, der aus dem innigen Liebeslied eine umtoste Jazzversion machte. Da half auch das französischste aller Instrumente, das Akkordeon, und die Valse Musette nicht viel. „La Vie En Rose“ von Edith Piaf - eine aufgedonnerte Jazznummer, Brels flehendes „Ne Me Quitte Pas“ – ein schmachtendes Dramolett.
Wie der Titel-Song ihres Projektes „J’ai Deux Amours“ anders klingt, konnte man im ersten Konzert des Abends bei Madeleine Peyroux erleben. Die Amerikanerin mit dem französischen Namen, die in New York oder Paris lebt, sang das Lied, das Josephine Baker einmal bekannt gemacht hat, unaufgeregt und bescheiden. Die ehemalige Straßensängerin lässt die Musik für sich sprechen. Ihr Programm, das ein paar der schönsten Liebeslieder von Dylan, Cohen, Hank Williams oder W. C. Handy präsentierte, war auf Dauer jedoch zu besinnlich und enthielt einfach zu viele langsame Nummern. Leider schien es zwischen Peyroux und ihren beiden Begleitmusikern (Kontrabass und Keyboard) Spannungen zu geben, die die Innigkeit, die diese an Billie Holiday erinnernde Stimme ausströmen kann, konterkarierten.
Jean-Luc Ponty, der - zwischen den beiden Sängerinnen mit dem amerikanischen Akzent eingebettet - Frankreich und das männliche Element verkörperte, mag es kraftvoll und dynamisch. Der Geiger mit der knabenhaften Figur, der in den 70-er und 80-er Jahren in Amerika zum Rock-Jazz-Star wurde, verzichtet inzwischen auf technischen Mätzchen. Er lässt seine E-Violine singen. Damit kehrt er wie ein verlorener Sohn in die Arme der Tradition französischer Jazzgeiger zurück, die er vor fast vierzig Jahren verließ, um sich selbst zu finden. Mit glänzenden Musikern - zwei Westafrikanern und zwei Franzosen - gelang dem 62-Jährigen ein mitreißender, abwechslungsreicher Konzertauftritt.
Werner Schretzmeier trat ans Mikrophon, um sich beim Theaterhauspublikum zu bedanken. Er stellte fest, dass die diesjährigen Jubiläumsjazztage mit 6200 verkauften Karten das am besten besuchte Festival in der 20-jährigen Geschichte des Hauses waren. Damit ist die Fortsetzung der Theaterhaus Jazztage auch an den Osterfeiertagen 2006 gesichert. Das Publikum vernahm’s und spendete vergnügt Applaus. Thomas Staiber

~ Thomas Staiber

Deko Füller
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