Artikel geschrieben am: 01.01.70

--- (Datei: Ulmer 5.2.2010 Bix)

James „Blood“ Ulmer, 5.2.2010 Bix
Wohl wegen des guten Rufs, den das Bix inzwischen genießt und der bis nach New York reicht, kam der Blues-, Jazz- und Funkmusiker James „Blood“ Ulmer nach Stuttgart. Ein Glücksfall für alle, die im rappelvollen Jazzclub noch ein Plätzchen ergattern konnten. Ulmer, der sich irgendwo zwischen Free Jazz und Hard Rock bewegt, ist zu den Wurzeln zurückgekehrt. Zu den eigenen und zu denen der Pop-Musik: Auf seiner E-Gitarre, einer schwarzen Gibson 355, spielt er den Blues, und er singt ihn mit unverwechselbarer Reibeisenstimme. Mit allen Wassern des Blues ist der Mann gewaschen. Mit Mississippi- und wohl auch mit Feuerwasser. Drei Tage vor dem Bix-Auftritt sei er siebzig geworden, behauptet er; doch so genau weiß man das nicht.
Mit seiner seltsam gestimmten Gitarre reißt er die üblichen einfachen Bluesharmonien auf, bis sie sich reiben, bis Funken stieben. „Harmolodic“ nennt Ulmer diese Methode in Anlehnung an seinen früheren Weggefährten Ornette Coleman. Dazu die raue maskuline Stimme, die ohne Umschweife zur Sache kommt. Und fertig ist sein eigenwilliger Blues. Der schöne Schein spielt keine Rolle. Die Wahrheit präsentiert sich ungeschminkt. Liebe, Trennung und „a little more beer“, das muss reichen.
Die Bandbreite seines Black Rock Trio reicht vom traditionellen Blues bis hinaus in freies wildes Terrain. Bei aller Vielfalt klingt alles scharf, schonungslos und knallhart. Für Gejammer ist kein Platz reserviert. Der Rhythmus siedet und brodelt, während Ulmers schräge Gitarrenläufe wilde Bahnen in den stark komprimierten Klangraum schneiden: Leuchtspuren am inidigofarbenen Gewitterhimmel des schwarzen Blues. Angetrieben von G. Calvin Weston, seinem hochenergetischen Drummer und Mark Peterson, dem grundsoliden E-Bassisten, zeigt dieser in sich ruhende Afroamerikaner, was für ein aufregender Musiker er ist. Das Stuttgarter Publikum jedenfalls hat das Black Rock Trio mit seiner Strahlkraft und diesem vielfarbigen prismatisch gebrochenen Blues beeindruckt. Nachhaltig - würden Politiker sagen. Thomas Staiber

~ Thomas Staiber

Deko Füller
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