Artikel geschrieben am: 24.11.07
Gebhard Ullmann: Klarinettentrio, Merlin, 24. 11. 2007
Klarinettisten lassen ihre Töne triumphierend emporsteigen, sie umspielen das Thema und verzieren es hübsch. Mit glucksendem, gurgelndem Klang, der einer schnarrenden Bassklarinette entweicht – ganz anders als im traditionellen Jazz beginnt das Konzert des Berliner Holzbläsers Gebhard Ullmann mit seinem Klarinettentrio im Merlin. Das düster wabernde Klangbild trägt den Titel „Variationen über Moder und Rauch“. Es bleibt diffus, auch als Michael Thieke mit der seltenen Altklarinette und Jürgen Hubke mit der kleineren und schärferen Klarinette einsteigen. Statt jubilierendem Lerchenflug also Dissonanzen, Läufe, die sich überlagern, aneinander reiben. Aus der nach oben gebogenen Schallstürze der Bassklarinette dringt tiefes Gehupe, von schmatzenden Schnalzern und schrillen Schreien der beiden anderen Rohrblattinstrumente durchblendet. Mit einem ostinaten Klappern der Klappen auf den Schalllöchern wird zunächst ein Rhythmus erzeugt, denn das Trio kommt ohne Schlagzeug und Kontrabass aus. Die drei Holzbläser nehmen ihn auf, verschleppen und beschleunigen ihn nach Bedarf, sodass er wirkt wie ein unregelmäßiger Puls. Das eng gewobene harmonische Geflecht verschiebt sich minimal, und wieder wird Reibungsenergie frei. Wie bei fließendem Wasser, das sich durch Widerstände nicht aufhalten lässt, bilden sich Gegenläufigkeiten und Strudel. Der Druck steigt, bis das Strömen nicht mehr aufzuhalten ist und es überbordet. Jetzt ist das virtuose Klarinettentrio ganz in seinem Element, sein musikantisches Temperament bricht durch. Doch schon folgen ein veritables Hühnerhofgegacker und andere lustige Lautmalereien. Durch den Humor der Ansagen, aber vor allem der Improvisationen wird die schwere musikalische Kost leichter verdaulich, und gute Stimmung kommt auf. Das Publikum dankt es lachend. Erst recht, als eine Zuhörerin die Musik eines Fellini-Films errät: Da gerät der schräge Jazzabend vollends zum musikalischen Dolce Vita. In Berlin sei niemand darauf gekommen, erzählt Bandleader Gebhard Ullmann, obwohl mit dem Leiter der Kultursendung Aspekte ein ausgewiesener Filmkenner im Publikum saß. Da hatte das Klarinettentrio die Ehre, das Abschlusskonzert des großen Berliner Jazzfestes zu gestalten. Auch den 28. Stuttgarter Jazztagen setzten Ullmann und seine beiden Holzbläserkollegen ein flackerndes Glanzlicht auf.
Thomas Staiber
~ Thomas Staiber
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