Artikel geschrieben am: 01.01.70
--- (Datei: trio töykeät)
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Trio Töykeät, ES Dieselstraße 6.3.2005
Drei Kerls aus Skandinavien mischen seit 15 Jahren und rund 2000 Konzerten die europäische Jazzszene auf . Die preisgekrönten Finnenhäupter nennen sich Trio Töykeät, was so viel heißt wie „die Rüden“. Mir ist nicht klar, ob sich das aufs Tierreich oder eher auf das Benehmen bezieht. Sicher ist: Sie bürsten die Musik mit diebischer Freude gegen den Strich. Ein hochvirtuoses Trio zwischen allen Stühlen und Stilen.
Iiro Rantala (Sibelius Akademie Helsinki, Manhattan School Of Music) ist ein Ausnahmepianist, der im Jazz genauso brilliert wie bei klassischen Konzerten. Ganz zart greift er anfangs in die Tasten, um liebevoll eine kleine Melodie dahin schmelzen zu lassen, sodass man den Eindruck gewinnt, der kann kein Wässserchen trüben. Doch schon wühlt er beidhändig tiefe Töne auf, dass es nur so grollt und donnert. Dann stürzen die Klavierklänge - angetrieben von knochentrockenem Schlagzeugwirbel (Rami Eskelinen) - wie ein reißender Fluss durch den Klangraum, stoßen auf Widerstände, bilden Strudel und Gegenläufe, um unvermittelt in einen bittersüßen Tango zu münden. Kontrabassist Eerik Siikasaari holt den Bogen aus dem Köcher. Dann stößt Rantala einen harten Schrei aus, und die Hetzjagd geht weiter. Eine Bachsche Fuge blitzt auf und verschwindet in einem ostinaten Stakkato. „Karate“ heißt diese heftige Nummer. Ihr folgt, als sei nichts geschehen, der beliebte Jazzstandard „There Will Never Be Another You“, den die Combo mit Charlie Parkers „Confirmation“ vermischt – leicht, swingend, melodienselig. Die Tür zu einem ganz anderen Stück wird aufgerissen, und man wähnt sich im Maschinenraum des neuen Jazz: Der Drummer heizt, der Bassist schiebt nach Leibeskräften, und der Mann am Klavier spielt, dass es einem den Atem verschlägt. Dann kommt eine alte Bekannte, das Mädchen aus Ipanema, allerdings als Skater, denn hier wird eine finnische High-Speed-Bossa-Version präsentiert, ein Ragtime wird danach in der Luft zerrissen und blitzschnell geflickt, eine Mozart-Etude huscht vorbei. Das Trio Töykeät treibt ein virtuoses Spiel mit Klassik, Bop und Pop. Wie Jonglierbälle fliegen die musikalischen Versatzstücke durch den Raum, und in der Dieselstraße herrscht eitel Freude (und beim CD-Verkauf Hochbetrieb). Thomas Staiber
~ Thomas Staiber