Artikel geschrieben am: 01.01.70

--- (Datei: toktoktok)

Tok tok tok, 7.10.2007, Dieselstraße
Die Reihe Voices in der Dieselstraße geht weiter. Dieses Mal Tokunbo Akinro, die Sängerin der Soul-Gruppe tok tok tok, im Rampenlicht.
Stoisch blubbert ein E-Bass, der Keyboarder lässt seine Fender-Rhodes-Klangflächen durch den Raum schweben, der Saxophonist bläst einen heißen Chorus, und Matthias Meusel, ein starker Drummer, treibt mit harten, aber elastischen Grooves den Soul-Rhythmus voran. Auf einer federnden Grundlage entfaltet sich die Stimme der Deutsch-Nigerianerin. Zunächst klingt sie fast ein wenig harmlos, kindlich und unschuldig. Besonders in den hohen Lagen gibt sie eine gewisse Verletzlichkeit preis. Doch bald kommt eine andere Seite zum Vorschein: eine betörende Sinnlichkeit, die den Klangraum verführerisch füllt. Akinros helle schwarze Stimme surft geschmeidig auf dem schaukelnden Rhythmus wie auf heranrollenden Karibikwellen. Da passen Soul-Songs aus den 60-er und 70-er Jahren, etwa von Isaac Hayes, gut ins Konzept. Bei „Get Away“ wiegt sich nicht allein die langbeinige Schlanke mit der femininen Figur in den Hüften. Der Club in der Dieselstraße ist erfreulicherweise unbestuhlt. „Sway Your Bootie“ heißt auch die Live-CD von tok tok tok, die Ende des Monats erscheinen wird, „schwenk deinen Po“. Bei dieser Musik, den fetten Grooves und der sinnlichen Stimme, die immer unverhohlener sexy klingt, still zu sitzen käme einer Strafe gleich. Wenn die Nummern bloß drei, vier Minuten dauern würden, wenn weniger Leerlauf in den musikalischen Aktionen wäre - das Vergnügen könnte größer nicht sein. Die Vokalistin, deren Texte Saxophonist Morten Klein vertont werden, singt von einer Frau, die nicht darauf wartet, bis sie angesprochen wird. Offenbar, das zeigt ihr komplizenhaftes Lächeln, hat sie sich das Lied auf den Leib geschrieben. Genießerisch lässt sie die Wörter auf der Zunge zergehen, und die Endsilben klingen mit einem kleinen warmen Vibrato aus. „Don’t Go Away“, das Lied von einem, der nicht jammert, sondern um seine Liebe kämpft, ist besonders gelungen. Doch das beste kommt zum Schluss: „Oh Lord“ mit seinem trägen, aber kraftvollen Rhythmus, der sich zu drehen scheint wie ein riesiges Rad, und mit einer süßen kleinen Melodie, die auf dem Heimweg noch nachklingt.
Thomas Staiber

~ Thomas Staiber

Deko Füller
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