Artikel geschrieben am: 01.01.70
--- (Datei: Till Brönner und Joy Delanane)
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Jazznights mit Till Brönner und Joy Delanane, 03.03.04 Theaterhaus
Jazz Goes Pop
So cool agieren Stars. Till Brönner, 32, dem Trompeter aus Berlin macht keiner mehr was vor: überlegene Technik, brillante Phrasierung, makelloser Ton. Auch seine Band - vom Feinsten: Wolfgang Haffner, dr, Roberto di Gioia, kb + p, Christian von Kaphengst, b, und Eric St. Laurent, g. Brönner gehört sicher nicht zu denen, die leiden müssen, um sublime Kunst zu schaffen. Eher zu jenen, die die Ohren aufmachen und wie eine Satellitenschüssel verschiedene Eindrücke empfangen, umrühren und ihr eigenes Süppchen kochen. Amerikanische Standards, deutsches Liedgut, Lounge-Jazz, Drum’n’Bass –raffiniert verpackt, gepflegt verabreicht und bestens verkauft. Nach dem Motto: „Meine Musik soll niemand nerven.“
Wie könnte sie das? Till Brönner mit seinem samtenen Flügelhornton, den sinnlich-rauchigen Klängen seiner gestopften Trompete, dieser heiseren Heiterkeit, mit lässigem Entertainer-Charme durch das Programm führend. Und doch hat auch dieser Vorzeigejazzer eine Eigenart, die durchaus nerven kann: Er beliebt nämlich zu singen. Nett und mit kleiner Stimme. Wie schon Chet Baker, dem Brönner zuletzt im virtuellen Trompetendialog übers Grab hinweg die musikalische Reverenz erwiesen hat. Wir hören Billy Joels „Just The Way You Are“, fast so delfinartig dahingleitend wie einst die Interpretation von Barry White, „Sunflower“, eine angenehme Komposition von Freddie Hubbard oder – das Publikum singt brav den Refrain – das brandneue „So right, so wrong“ aus Brönners „Green Album“, das im Juni erscheinen soll. Mit den Mitteln des Pop visiert der ( oft an Chuck Mangione erinnernde ) Jazztrompeter aus Berlin das Harmoniezentrum der Menschen an. Widerborstiges, das eigentlich zum Jazz gehört wie die Stacheln zum Igel, lässt er einfach weg. Das kommt in einer Welt, die genügend Stress und Frust bereit hält, offensichtlich an. Einmal allerdings wirkt der Gesang wirklich witzig: da inszeniert Brönner mit einer grünen Handpuppe in der Linken und seinem Flügelhorn in der Rechten einen musikalischen Dialog mit Kermit, dem Frosch aus der Sesamstraße. Ansonsten, lieber Till, singen Sie daheim im Schaumbad und spielen Sie im Konzert bitte mehr Trompete! Wer weiß, vielleicht werden Sie dann der deutsche Wynton Marsalis?
Und Soul-Sängerin Joy Delanane, 30, die deutsche Lauryn Hill, die Antwort auf Joss Stone? Im restlos ausverkauften Theaterhaus bewies die Berlinerin mit dem starken Gefühl in ihrer kraftvollen hellen Stimme, wie gut sie groovt und swingt. Vor ihrer Unplugged-Band, in der der Stuttgarter Gitarrist Frank Kuruc durch punktgenaues und einfühlsames Saitenspiel auffiel, sang die attraktive „Black Sister“ lasziv auf einem Barhocker. Kein Wunder empfand Max Herre, der sie in den Freundeskreis aufnahm, für sie „ein bisschen mehr als Freundschaft“. Nicht jedes ihrer Lieder mit deutschen Texten allerdings zündet, manches zieht sich gar ein wenig. Doch wollen wir nicht in den Chor derer eintreten, die verächtlich lächeln, weil sie ein Antikriegslied (von Brecht) im Repertoire hat und es auch sonst eher gut meint. Denn da bringen eine sehr starke Fassung von „Sign Of The Times“ (Prince) und rhythmisch spannende Songs aus Soweto, der Heimat ihres Vaters, Bewegung ins Publikum. Und als am Ende Brönner noch einmal mit dem Flügelhorn auf die Bühne tritt und mit Joy im Duo eine ausdrucksstarke, von schwebenden blue notes imprägnierte Version von „Lover Man“ intoniert, zeigt sich in dieser Nacht doch noch der Jazz: von seiner schönsten Seite. Thomas Staiber
~ Thomas Staiber