Artikel geschrieben am: 01.01.70

--- (Datei: Thomas-Lauer)

Christof Lauer, sax, und Jens Thomas, p – 19.11.03
Theaterhaus
Die beiden haben sich gesucht und gefunden, haben alles hinter sich gelassen und spielen nun miteinander. Darin gehen sie ganz auf. Zwei Traumpartner des deutschen Jazz: der 50-jährige Christof Lauer aus dem hessischen Melsungen, möglicherweise Europas bester Saxophonist, und Jens Thomas, der 32-jährige Ausnahmepianist aus Döhren bei Hannover. Der Ältere nennt den Jüngeren einen, der „unglaublich gute Ohren“ habe und dessen Klavierspiel „voller Überraschungen“ stecke. Und Thomas ist es “eine solche Freude“, mit Lauer zu musizieren.
„Pure Joy“ heißt denn auch ihr jüngstes, bei ACT erschienenes Album, das sie bei ihrer Konzerttournee derzeit vorstellen. Im Theaterhaus schließt mancher die Augen, um sich ganz aufs Hören zu konzentrieren. Klavierklänge von kristalliner Klarheit durchperlen den Raum, bis eine mit minimalen Verschiebungen, von der Linken ostinat wiederholte Bassfigur einen rollenden Rhythmus entfacht. Darüber lässt Lauer in hohen Registern eine kleine unschuldig anmutende Melodie schweben. Davon beflügelt, lässt Thomas’ Replik nicht auf sich warten. Das Spiel des Holzbläsers, verselbstständigt sich, schlägt übermütige Kapriolen und findet wieder anschmiegsam zurück zum Thema der zirkulär angelegten Komposition.
Darin ist Raum für das Raue und das Weiche, das Wilde und das Zarte, für platzende Klangtrauben und süße Melodien. Das ist, auch wenn es mitunter betörend klingt, nie kitschig, sondern tief empfundene Musik, die sich über Nebensächlichkeiten, eitle Vorführeffkte erhebt und immer zum Wesentlichen vordringen will.
Thomas greift zu Beginn der Stücke dem weit geöffneten Flügel in die Saiten und spielt mit vollem Körpereinsatz, bis sich bei hymnischen Steigerungen, die an Keith Jarrett erinnern, ein roher Begleitgesang seiner Kehle entringt, während sein rechter Fuß das Pedal bearbeitet wie eine Bass-Drum. Lauers vibratoloses Sopran, das eine spröde Melancholie verströmt, findet in dem mit warmem Atem geblasenen Tenorsaxophon eine sinnliche, mitunter bluesig angehauchte Gegenstimme.
Von der Ideendichte, Eindringlichkeit und Klarheit dieser Improvisationsmusik lässt sich das Auditorium im Theaterhaus faszinieren und bedankt sich mit herzlichem Beifall bei den zwei Musikerfreunden.
Deren Debüt-CD „Shadows In The Rain“ von 2001 mit kammermusikalischen Jazzparaphrasen zu Hits des Pop-Stars Sting – das zeigt sich nun im Nachhinein – war bloß ein glänzendes Vorspiel war zu den Eigenkompositionen von „Pure Joy“ Denn die sind in der Tat eine reine Freude. Thomas Staiber

~ Thomas Staiber

Deko Füller
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