Artikel geschrieben am: 01.01.70
--- (Datei: Thielemans, Toots)
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German Jazz Trophy 2004: Toots Thielemans
Sparda-Bank, 15. 10. 2004
Für sein Lebenswerk erhielt der belgische Jazzmusiker Jean-Baptiste Thielemans, den alle Welt „Toots“ ruft, die German Jazz Trophy 2004, eine Skulptur von O. H. Hajek, aus den Händen des früheren Preisträgers Prof. Erwin Lehn. Im Publikum - neben Ute Kumpf - noch ein früherer Preisträger: Wolfgang Dauner. Nach der Begrüßung durch Thomas Renner (Sparda-Bank) und einem launigen Vortrag von Georg Bahmann (Wort und Musik) über Leitfiguren im Jazz hielt Andreas Kolb, Chefredakteur einer deutschen Jazzzeitung, die Laudatio. Er würdigte den 82-Jährigen als eine herausragende Figur des Jazz. Koryphäen wie Charlie Parker, George Shearing, Benny Goodman oder Oscar Peterson schätzten ihn als einen „unserer größten Musiker“ und holten ihn liebend gern in ihre Bands. Das taten übrigens auch Popkünstler wie Paul Simon oder Billy Joel in den USA oder Gilberto Gil und Milton Nascimento in Brasilien.
Das Festpublikum erfuhr, dass Thielemans nebenbei erfolgreich im Reklame- und Filmgeschäft agierte (er pfiff etwa einen Werbespot für Old Spice und schrieb Musik für die Sesamstraße), dass er mit seiner bekanntesten Komposition, dem Jazzwalzer „Bluesette“, quasi seine Altersversorgung sichert, dass ihm hohe Orden verliehen wurden oder dass er lange Zeit als Jahressieger in der Rubrik „Verschiedene Instrumente“ die Down Beat Befragung dominierte.
Doch erst als der Preisträger - beflügelt vom empfindsamen, zur Abstraktion neigenden Spiel des blinden Jazzpianisten Bert van den Brink - zu spielen begann, spürte das Auditorium, was Quincy Jones mit seiner Aussage gemeint hatte: „Toots Thielemans berührt unser Herz.“ Zweifellos ist der einstige Autodidakt ein Virtuose seines oft belächelten Hauptinstruments, der Mundharmonika, die von ihrem Erfinder Friedrich Buschmann 1821 noch „Mund-Äoline“ genannt wurde. Doch lässt er seine Hohner singen wie einst Charlie Parker, den sie Bird nannten, sein Altsaxophon. Kritiker bezeichnen den Thielemans-Stil nicht von ungefähr als „verführerisch“. Denn er verbindet wie nur wenige Spielintelligenz und Sinnlichkeit, Ideendichte und melodische Phantasie zu einem ganz unverwechselbaren Stil. Dass er auch auf seiner alten Gibson Gitarre spielt (Stéphane Grappelli hatte ihn 1962 nach dem Tod von Django Reinhardt in den Hot Club de France gebeten!), gibt dem Belgier mit dem weißen Schnauzbart und den lustigen Augen hinter der Hornbrille eine besonders charmante Note. Mit einer von Abschiedswehmut durchwehten Version von Armstrongs „Wonderful World“ und einem anrührenden „Ne Me Quitte Pas“ (Jacques Brel) klang das Preiskonzerts dieses humorvollen, sanften und starken Musikers, dieses Gentleman des Jazz, aus.
Thomas Staiber
~ Thomas Staiber