Artikel geschrieben am: 01.01.70

--- (Datei: Terrasson06)

Das Jacky-Terrasson-Trio im Esslinger Jazzkeller, 19.05.06

Champions-League-Spiel in Esslingen

Schwarz und weiß prägen das Leben des Jazzpianisten Jacky Terrasson. Seine dunkelhäutige Mutter, eine Innenarchitektin aus New York, die einst Miles Davis’ Loft einrichtete, und sein Vater, ein hellhäutiger Computerfachmann aus Paris, schickten den kleinen Jacky mit fünf zum Klavierunterricht. Mit den 88 Tasten aus Ebenholz und Elfenbein misst der inzwischen 40-Jährige seinen musikalischen Horizont aus. Der reicht von Frankreich, wo er die Kindheit verbrachte, bis nach Amerika, wo seine Jazzkarriere so fulminant begann, dass Blue Note ihn sogleich unter Vertrag nahm.
Seine Version der „Valse Hot“ von Sonny Rollins dreht sich federnd-muskulös, und seine „Autumn Leaves“ sind diesmal Blütenblätter im Maienwind. Frische, Entschlossenheit und Gefühlstiefe bestimmen Terrassons Spiel, das gespickt ist mit spannenden harmonischen Auflösungen, rhythmischen Wendungen und überraschenden Pointen. Nichts wirkt konstruiert, alles aus einem Guss. Ein inspirierendes Kontrabassspiel und ein raffiniert und feinfühlig bedientes Schlagzeug verdichten und erweitern die Klangräume des sehr gut eingespielten Pianotrios. Terrassons von weit innen heraus swingende Virtuosität wirkt ganz selbstverständlich, nie als Attitüde.
Zum 50-jährigen Jubiläum des Esslinger Jazzkellers könnte das begeistert aufgenommene Konzert besser nicht sein. Die Herren Borst, Graf und Klinner aus der Gründerzeit freuen sich über dieses Champions-League-Gastspiel in der Neckarstadt und übertreffen sich beim Erraten der Jazznummern. Und auch der 84-jährige Eugen Hutter, der sich immer noch kein Jazzkonzert entgehen lässt, strahlt auf seine alten Tage wie ein Honigkuchenpferd. Sein Vater, ein menschenfreundlicher Bäcker in der Webergasse, hatte einst im Mai das Kellergewölbe zur Verfügung gestellt, „damit die Buben irgendwo ihren Jazz spielen können.“ Dass daraus ein derart lebendiger Club werden sollte, in dem nun schon seit fünfzig Jahren gejazzt wird, hätte sich niemand träumen lassen. Thomas Staiber


~ Thomas Staiber

Deko Füller
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