Artikel geschrieben am: 01.01.70

--- (Datei: Terrasson)

BIOGRAPHIE Jacky Terrasson
Vorbilder wie Keith Jarrett, Herbie Hancock, Bill Evans und Thelonious Monk sind nichts Ungewöhnliches bei jungen Jazzpianisten. Nur Wenigen wird es vergönnt, in der Liga ihrer Helden ein Wörtchen mitzureden. Jacky Terrasson hat etwas zu sagen und tut das auf dem renommierten Jazzlabel Blue Note. Ausgereifter Stil, brillante Technik und unerschöpfliche Kreativität sind gute Vorraussetzungen, um sich nachhaltig Gehör zu verschaffen.
Geboren wird Jacky Terrasson am 27. November 1965 in Berlin als Sohn einer amerikanischen Innenausstatterin (die seinerzeit auch Miles Davis' Bude renovierte) und eines französischen Computerspezialisten. Drei Jahre später ziehen die Terrassons nach Paris, wo Jacky seine Ausbildung am klassischen Klavier erhält. Obwohl ihm seine Lehrerin eine große Karriere als klassischer Musiker prophezeit, kann Jacky der Versuchung des Jazz nicht widerstehen. Er perfektioniert sein Improvisationsverständnis zuerst in Paris und geht 1986 in die Staaten, um am Berklee College of Music zu studieren. "Eigentlich sollte ich zwei Jahre dorthin, aber so gut gefiel es mir nicht. Außerdem konnte ich einen Job in Chicago kriegen - fünf Nächte die Woche in einem Club, das war großartig, und ich gab Berklee dran".
Beseelt vom festen Wunsch berühmt zu werden, agiert er fünf Jahre später bereits als Pianist bei Art Taylor. 1993 gewinnt er den vielbeachteten Thelonious Monk-Award, der alljährlich den talentiertesten Jazzpianisten verliehen wird. Blue Note engagiert ihn vom Fleck weg und produziert zunächst drei Trioeinspielungen mit dem franko-amerikanischen Outperformer. Später folgen andere Projekte, wie etwas "Rendezvous" mit Cassandra Wilson, mit denen er endgültig seinen Status als brillanter Tastendrücker zementiert.
Jacky Terrasson gehört mit seiner frischen Energie zur nächsten Generation von Jazzmusikern, die vor der schwierigen Aufgabe stehen, aus dem Schatten ihrer Vorbilder herauszutreten und einen individuellen Stil zu entwickeln, bei dem technische Perfektion als Handwerkszeug vorausgesetzt wird. Seine pianistischen Kollegen im Kampf um die Arterhaltung und Erneuerung der improvisierten Musik heißen u.a. Cornelius Claudio Kreusch, Esbjörn Svensson und Brad Mehldau.



Es gehört schon Einiges dazu, mit einer jazztypischen Klaviertriobesetzung (p, b, dr) und der Interpretation von Standards noch eine Salami vom Teller zu wurschteln. "Standards zu spielen, nur um sie zu spielen, ist nicht mein Ding - dafür gibt es einfach schon zu viele gute Leute, die das getan haben. Für mich müssen sie wie eine kleine Sinfonie sein und ein inneres Drama entfalten". Das ist wahrlich das Mindeste, was man von der ca. einmillionsten Version von "Autumn Leaves" erwarten kann. Immerhin besitzt das Stück im Jazzlager etwa den Stellenwert eines pilzköpfigen "Hey Jude", das jeder popularmusikambitionierte Jungmusiker kreuz und quer spielt, bis der Arzt kommt.
Selbst in derartigen Standardsituationen verschwendet das Jacky Terrasson Trio keine Note für musikalische Floskeln. Obwohl auch hochkarätige Musiker sich nur ungern von diesen in der Hochschule antrainierten Plattitüden trennen, hält sich das Trio nicht mit Phrasendrescherei auf. Statt dessen brillieren sie mit ausgereifter Stilistik und kreativer Innovationskraft.
TRACKLISTE

1.
Parisian Thoroughfare

2.
Mo Better Blues

3.
Smile

4.
Sous Le Ciel De Paris

5.
Isn't She Lovely?

6.
The Dolphin

7.
Nardis

8.
Autumn Leaves

9.
My Funny Valentine

10.
59

11.
Le Jardin D'Hiver

12.
L'Education Sentimentale

13.
L'Air De Rien













Im Zeitalter, in dem man glaubt, "alles" und damit jede mögliche Verbindung von Tönen zu kennen, überraschen die drei mit ausufernder Kreativität und sensiblem Gespür für unerhört Neues. Solo-Linien, die im Drei-Oktaven-Abstand parallel geführt werden oder eine konsequent dissonante Melodieführung überraschen selbst geübte Hörer.
Die Auswahl der Interpretationen und Kompositionen erfährt über die komplette Albumlänge keinen Absacker. Neben den erwähnten Standards freut sich das Ohr über eine wunderschöne "Mo' Better Blues"-Version, die überzeugender als das Original ist, ein Stevie Wonder-Tribut und zwei Eigenkompositionen, von denen besonders "Smile" überzeugen kann.
Besonders hervorzuheben ist die Leistung von Drummer Eric Harland, der auch mal die monotone Schönheit der Wiederholung auskosten kann, ohne gleich einen Understatement-Anfall zu erleiden. Das rechne ich einem ausgefuchsten Jazzer hoch an, zumal viele seiner Kollegen den Groove hinter ihrer ausufernden Friggelei verbergen.
Versiert in allen musikalischen Fragen präsentiert sich das Jacky Terrasson Trio. Zwischen klassisch gefärbter Strenge und freiheitsliebenden Soli bewegen sich die Musiker trittsicher und ausgewogen. Jacky Terrassons einzigartiges Gefühl für die rhythmische, harmonische und melodische Gestaltung der Linien ist dafür verantwortlich, dass ich mein Brot jetzt ohne Wurst genießen darf. Von diesem Trio lass ich mir gern die Wurst vom Teller stehlen.
Es gehört schon Einiges dazu, mit einer jazztypischen Klaviertriobesetzung (p, b, dr) und der Interpretation von Standards noch eine Salami vom Teller zu wurschteln. "Standards zu spielen, nur um sie zu spielen, ist nicht mein Ding - dafür gibt es einfach schon zu viele gute Leute, die das getan haben. Für mich müssen sie wie eine kleine Sinfonie sein und ein inneres Drama entfalten". Das ist wahrlich das Mindeste, was man von der ca. einmillionsten Version von "Autumn Leaves" erwarten kann. Immerhin besitzt das Stück im Jazzlager etwa den Stellenwert eines pilzköpfigen "Hey Jude", das jeder popularmusikambitionierte Jungmusiker kreuz und quer spielt, bis der Arzt kommt.
Selbst in derartigen Standardsituationen verschwendet das Jacky Terrasson Trio keine Note für musikalische Floskeln. Obwohl auch hochkarätige Musiker sich nur ungern von diesen in der Hochschule antrainierten Plattitüden trennen, hält sich das Trio nicht mit Phrasendrescherei auf. Statt dessen brillieren sie mit ausgereifter Stilistik und kreativer Innovationskraft.
TRACKLISTE

1.
Parisian Thoroughfare

2.
Mo Better Blues

3.
Smile

4.
Sous Le Ciel De Paris

5.
Isn't She Lovely?

6.
The Dolphin

7.
Nardis

8.
Autumn Leaves

9.
My Funny Valentine

10.
59

11.
Le Jardin D'Hiver

12.
L'Education Sentimentale

13.
L'Air De Rien













Im Zeitalter, in dem man glaubt, "alles" und damit jede mögliche Verbindung von Tönen zu kennen, überraschen die drei mit ausufernder Kreativität und sensiblem Gespür für unerhört Neues. Solo-Linien, die im Drei-Oktaven-Abstand parallel geführt werden oder eine konsequent dissonante Melodieführung überraschen selbst geübte Hörer.
Die Auswahl der Interpretationen und Kompositionen erfährt über die komplette Albumlänge keinen Absacker. Neben den erwähnten Standards freut sich das Ohr über eine wunderschöne "Mo' Better Blues"-Version, die überzeugender als das Original ist, ein Stevie Wonder-Tribut und zwei Eigenkompositionen, von denen besonders "Smile" überzeugen kann.
Besonders hervorzuheben ist die Leistung von Drummer Eric Harland, der auch mal die monotone Schönheit der Wiederholung auskosten kann, ohne gleich einen Understatement-Anfall zu erleiden. Das rechne ich einem ausgefuchsten Jazzer hoch an, zumal viele seiner Kollegen den Groove hinter ihrer ausufernden Friggelei verbergen.
Versiert in allen musikalischen Fragen präsentiert sich das Jacky Terrasson Trio. Zwischen klassisch gefärbter Strenge und freiheitsliebenden Soli bewegen sich die Musiker trittsicher und ausgewogen. Jacky Terrassons einzigartiges Gefühl für die rhythmische, harmonische und melodische Gestaltung der Linien ist dafür verantwortlich, dass ich mein Brot jetzt ohne Wurst genießen darf. Von diesem Trio lass ich mir gern die Wurst vom Teller stehlen.

~ Thomas Staiber

Deko Füller
Familienbild