Artikel geschrieben am: 01.01.70
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Rainer Tempel Big Band, 07.12.02 Merlin
Nach der Verleihung des Landesjazzpreises an Rainer Tempel am 17. November im Tübinger Sudhaus trat dessen Big Band im Stuttgarter Kulturclub Merlin auf. Seit Jahren, hieß es in der Jurybegründung, habe Tempel das Jazzgeschehen im Land nachhaltig beeinflusst. Nicht schlecht für einen erst 31-Jährigen!
Ein durchtrainierter männlicher Klangkörper füllt mit großer Wucht den Raum. Bei fünf kräftig geblasenen Saxophonen, vier Posaunen und ebenso viele Trompeten wackeln die Wände, da wird der Konzertsaal zum Hochdruckgebiet. Eine fünfköpfige Rhythmusgruppe tut das Ihre. Das Eintauchen des einzelnen Musikers in ein solches Klangbad, das Aufgehobensein im großen Ganzen muss eine solche Wonne sein, dass auf übliche Egotrips leicht verzichtet werden kann. Beim Solo fühlt man sich getragen von einem dicht gewobenen Rhythmusgewebe und beflügelt durch schmelzendes Saxophonklänge oder angespornt durch das schmetterndes Akkordspiel der Bläserfraktion.
Die meisten Titel hat Rainer Tempel geschrieben und für seine Bigband arrangiert. Vier Tage Notenschreiben heißt das für eine Fünfminutennummer!
Bei „At The Movies“ etwa fließt – ganz wie bei US-Filmen – Heroisches, militärisch Diszipliniertes und Kitschiges in die Komposition ein, die versucht amerikanisches Kino musikalisch nachzuahmen und so zu verzerren, dass eine kritische Haltung zum Vorschein kommt. Offenbar macht das Saxophonist Jochen Feucht richtig Spaß und natürlich auch dem einzigen Ami in der Band, dem Bassposaunisten Ed Partyka.
Rainer Tempels Jazzorchester kann richtig swingen, straight spielen und grooven. Aber immer wieder gibt es Brüche und überraschende Wendungen, und der musikalische Weg führt ins Offene, Freie. Stimmungs- und Tempowechsel, Stilvielfalt und Präzison machen das Konzert zu einem spannenden, manchmal auch schwierigen Hörerlebnis, das mit den letzten drei Nummern – darunter Gerhard Gschlößls mitreißender Titel „Der Professor“ – zum Höhepunkt kommt.
Thomas Staiber
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~ Thomas Staiber