Artikel geschrieben am: 01.01.70

--- (Datei: Tango 5 Wilhelma 27.1.2010)

Tango Five – 25 Jahre Musik Comedy, Wilhelma-Theater, 27. 1. 2010
Eine kleine blaue Welle, das Markenzeichen der Truppe, erscheint auf einer Leinwand. Eine Multi-Media-Schau zeigt im Schnelldurchlauf "25 Jahre Tango Five". Die Zeit hat natürlich Spuren hinterlassen: ein paar Haare weniger, ein paar Lachfalten mehr, etwas Speck auf den Rippen. Aus Studenten wurden gefragte Musikprofis, Lehrstuhlinhaber, Familienväter, gestandene Männer. Geblieben ist: die Freude am Musizieren, am Spaß haben, am Spaß machen. Doch von nichts kommt nichts. Hinter dem, was auf der Bühne mit der Präzision eines Uhrwerks abläuft, was so leicht und locker erscheint, steckt Arbeit. Tango Five – die vier Musiker bilden „das kleinste Quintett der Welt“ – gehen regelmäßig in Klausur, um neue Programme zu entwickeln. Im Pfarrhaus von Münchingen oder im Stuttgarter Theaterhaus proben sie zwei Wochen lang bis zu vierzehn Stunden täglich, um „Euroflott“, „“Go For Gold“, „Huhn Madagaskar“, „Tango Five Spielt Wie Waldi“ oder „Badewasser“ zur Bühnenreife zu bringen.
Mit Selbstironie und Witz beginnt der Abend. Der inbrünstig gesungene Gospel-Refrain des ersten Songs: „Tango Five – Hallelujah!“ Gleich lachen die Leute und wippen im Takt. In der Bar Madagaskar erlebt man einen sturzbetrunkenen Kellner, der im Liegen Kontrabass spielt und ein raues russisches Trinklied zum Besten gibt. So gut er halt kann. Es ist Veit Hübner, der begabteste Komödiant von Tango Five. Über ihn als Dressurreiter „auf E-Bass“ lacht das Publikum Tränen. Abgeschaut hat er sich übrigens die Kür vom echten Dressurreiter Martin Schaudt aus Albstadt, für den er eine Musik geschrieben hat. Bernd Ruf, ein exzellenter Holzbläser, dreht einmal beim Blasen völlig durch und muss von den Kollegen fortgetragen werden. Kleinlaut erscheint er wieder mit zerbrochener Klarinette auf der Bühne; seine ausgeschlagenen Zähne spuckt er im Takt auf ein Tablett. So martialisch geht es sonst nicht zu. Als gepudertes Streichquartett mit zerzausten Perücken spielt Tango Five Vivaldi, während ein Wackeldackel auf dem Flügel beifällig nickt. Von Montevideo bis Seoul, vom Barock bis zum Rock, vom argentinischen Tango bis zum Sommerschlager von Rudi Carell - wunderbar imitiert vom Musik- und Sprachtalent Bobbi Fischer – führt das Best-Of-Programm. Fliegende Kostüm- und Instrumentenwechsel inklusive. Gregor Hübner, Veits in New York lebender Bruder, spielt dabei beseelt Klavier oder Violine. Dass der böhmische Großvater einst die erste Geige in einem Zigeunerorchester spielte, wundert bei so viel Virtuosität und überbordendem Musikantentum kein bisschen.
Auch wenn nicht alle Gags zünden und manches ein wenig harmlos bleibt - das Publikum geht bei Tango Five immer mit. Wegen des Charmes und der Leichtigkeit des musikalischen Seins, die dieses schwäbische Comedy Ensemble ausstrahlt. An rauschenden Beifall sind die Vier ja gewöhnt, seit vor zwanzig Jahren eine jubelnde Menge in Florenz sie davor bewahrt hat, von der Polizei als illegale Straßenmusiker abgeführt zu werden. Auch im Stuttgarter Wilhelma-Theater gibt es Jubel und stehende Ovationen.
Thomas Staiber


~ Thomas Staiber

Deko Füller
Familienbild