Artikel geschrieben am: 01.01.70
--- (Datei: Suono del mondo TH03.05)
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20. Internationale Theaterhaus Jazztage 25. 03. 2005 „Suono del mondo“
Der dritte Festivalabend trug den Titel „Suono Del Mondo“ – wie klingt die Welt? Bei Kriegsgeschrei und Waffengeklirr allenthalben eine gute Frage. Die Antwort – da sind sich die meisten einig – lautet „Pace“ – Frieden. Explizit politische Stellung bezog der libanesische Lautenspieler Rabih Abou-Khalil am Ende der dreiteiligen Konzertnacht. In seiner Gruppe agiert Jarrod Cagwin, ein US-Boy am Drum Set, der sich vom Bandleader zum Thema USA und Arabien einiges anhören durfte. Er lächelte, vermutlich auch, weil er kein Deutsch versteht, und spielte in bester Rock-Manier derart druck- und lustvoll, dass einem schier Hören und Sehen verging. Und doch war keine mitreißende Up-Tempo-Nummer der schönste Moment des Konzerts, sondern eine leise Serenade für eine traurige Frau. Michel Godard entlockte dem Serpent - von der spröden Melancholie eines virtuos bedienten Akkordeons (Luciano Biondini) unterlegt - eine eindringliche Melodie, die Abou-Khalil mit feinem Saitenspiel wunderbar beantwortete. Heimlicher Star der Gruppe: der Sarde Gavino Murgia, der mit obertonreichen Vokalisationen, die an raue Maultrommeln erinnerten, das Publikum faszinierte.
Ein böses Mädchen aus Lissabon, das sich nicht unterordnen wollte, eckte mit ihren Aggressionen überall an, bis sie im Alter von 27 Jahren endlich das Singen als Sublimationsmöglichkeit entdeckte. Inzwischen ist Maria Joao 48 und ein Star im World Jazz. Als sei sie einem Karnevalswagen entstiegen, betrat sie bunt gewandet wie ein balzender Vogel die Bühne. „Ich bin ein Papagei ohne Worte“, sang sie mit scheinbar unschuldiger Jungmädchenstimme. Diese Stimme klingt meist irgendwie gezähmt. Darunter jedoch brodelt es wild. Jederzeit ist mit Eruptionen zu rechnen. Die Chance dazu bietet ihr weniger die gebundene Form der Folklore als die entfesselte Freiheit des Jazz. In diesem Kraftfeld bewegt sich Joao traumwandlerisch - kongenial begleitet vom Pianisten Mario Laginha und einer soliden Rhythmusgruppe.
Zwischen Lusitanien und dem Libanon tritt der italienische Stiefel ins Mittelmeer. Von da stammen zwei Musiker, die man einfach lieb haben muss und die jedes Kind gern als Großväter hätte. Mit dem Charme ihrer zitatengespickten Musik und witzigen Ansagen entzückten sie das Theaterhauspublikum (und zuvor Umberto Eco, der die Liner Notes ihrer neuen Kurt Weill gewidmeten CD geschrieben hat). Am Akkordeon Gianni Coscia, an der Klarinette Gianluigi Trovesi. Die beiden machen Musik wie für einen großen traurigen Clown, Musik, die Erinnerungen wachrufen kann, Musik zum Lächeln, Musik wie ein Gedicht. Von Bert Brecht beispielsweise, vertont von Kurt Weill. Selten hat der Mond von Alabama schöner geleuchtet als am Freitagabend im Theaterhaus. Thomas Staiber
~ Thomas Staiber