Artikel geschrieben am: 01.01.70

--- (Datei: Stone, Joss 07)

Joss Stone / triband, 14.07.2007 Pariser Platz
Vor zwei Wochen hat sie noch bei der Gedenkfeier für Lady Di gesungen, letzten Samstag trat sie beim Live-Earth-Konzert in Johannesburg auf, und jetzt kommt Joss Stone – als Top Act des Jazzopen 2007, versteht sich – in Stuttgart auf die Bühne. Hier startet sie ihre Welttournee. Barfuß wie einst Dusty Springfield, mit einem Minikleid wie von Mary Quant. Das braune Haare lang und glatt, pink glitzerndes Augen-Make-Up, ein Mix aus Hippie-Touch, Hiphop-Style und Pop-Art. Elfenhaft lasziv und sehr sexy bewegt sich die langbeinige Joss Stone, gerade mal tausend Wochen alt, vor ihrer Sieben-Mann-Band und den beiden Sängerinnen. Wie ein kleines Kind, das im Spiel alles vergisst, geht sie beim Singen völlig auf: Polarisation der Aufmerksamkeit. Und wie sie singt! Eine unfassbare Kraft erfüllt ihre Stimme, in der so viel Soul steckt, dass man sich wundern muss, woher sie diese Lebenserfahrung hat. „Girl, They Won’t Believe It“. Denn: Nur Joss Stone kann der Soul-Königin, der 45 Jahre älteren Aretha Franklin, das Wasser reichen. Schon nennt man sie „die weiße Soul-Perle“.
Inbrünstig singt sie das Lied von der Liebe, von Lust und Leid. Und wir glauben ihr gern jedes Wort, jedes Gefühl.
Zwischendurch allerdings reicht sie rosarote süße Pop-Stückchen, musikalische Konfiserie für den amerikanischen Geschmack. Aber ganz ehrlich: Uns hier sind die härteren Nummern lieber, bei denen sich die junge Britin die Seele aus dem Leib schreit: „Tell Me ‚Bout It“. Oder die ganz langsamen Soul-Balladen, zu denen man am liebsten Stehblues tanzen möchte.
Je länger das Konzert dauert, umso mehr geht das schwäbische Publikum aus sich heraus, strahlt, wiegt sich – längst stehend - in den Hüften und feiert diese erstaunliche Sängerin da oben auf der Bühne. Und sich selbst. Fast scheint es, als seien die 4000 Festivalbesucher auf dem Pariser Platz vor lauter Joss ein wenig „stoned“. „Frau, wein doch nicht“ mag mancher am Ende dieses heißen Sommernachtkonzerts nach bloß siebzig Minuten, die wie im Flug vergangen sind, bei der Zugabe zu seiner Begleiterin gesagt haben. „No Woman, No Cry“.
Zuvor hatte triband mit einem Cocktail aus Lounge-Jazz und Indie-Pop als Ohrenöffner fungiert. Am Mikrophon: das etwas linkische Karlsruher Lehrerstöchterlein Sandie Wollasch, 25, mit ihrer glockenhellen Lolita-Stimme. Thomas Staiber

~ Thomas Staiber

Deko Füller
Familienbild