Artikel geschrieben am: 01.01.70

--- (Datei: Slettahjell, Solveig 12.3.2010 Bix)

Solveig Slettahjell, 12.3.2010 Bix
Die Vokalistin Solveig Slettahjell zeigte mit ihrem kleinen Slow Motion Orchestra im Jazzclub Bix, wie es klingt, wenn Lieder sich langsam entfalten. Beinahe so langsam wie Blüten im Mai.
Während um uns alles ständig schneller und hektischer wird, besteht mancher auf Entschleunigung. Statt hastigem Essen Slowfood, Cittaslow für schöneres Wohnen in der Stadt, Slowretail beim Handel. Tatsächlich entdecken immer mehr Menschen die Langsamkeit als Gewinn für sich selbst. Vereinfache dein Leben, lautet ihre Devise. Anderen fällt das ziemlich schwer. „Die leichteste Weise der Existenz ist in der Kunst“, schrieb Bertolt Brecht im Kleinen Organon für das Theater. Wie man am Freitagabend erleben konnte, gilt dieser Satz gerade auch für Musik.
Musik, die aus der Stille kommt, kann sehr sinnlich sein. Besonders bei einer so guten Sängerin wie der dunkelhaarigen Solveig Slettahjell aus Norwegen. „Tarpan Seasons“ heißt ihr jüngstes Album, das sie im Bix, der letzten Station ihrer Deutschlandtournee, vorstellt. Tarpane sind eine ausgestorbene Wildpferdrasse, und Schlagzeuger Per Johansen ist stolzer Besitzer eines dieser rückgezüchteten Tiere. Beim Schreiben der Songs, sagt die die 38-jährige Sängerin, habe sie sich manchmal gefühlt, als schaue ihr ein Cowboy über die Schultern. Der hätte an ihren Liedern bestimmt so viel Freude gehabt wie die Leute im Bix, die lächelnd den Slow-Motion-Mix aus Country, Blues, Soul und Jazz genießen und begeistert applaudieren.
„Soul“ heißt das erste Wort, das sie singt. So beginnt „Precise Content“, der Opener des Konzerts und der neuen CD. Beseelte Musik macht das sehr gut eingespielte Quintett mit der starken Sängerin in der Tat: Musik, die zu atmen scheint.. Ruhig pulsiert der Bass, weich streichelt der Drummer mit den Besen seine Felle, wolkige Trompetentöne wechseln mit geschmeidigen Gitarrenklängen, durchblendet von winzigen schabenden Störgeräuschen aus dem Computer. Mit geschlossenen Augen singt und genießt Solveig Slettahjell die Lieder. Sie dehnt die Silben und lässt sie auf der Zunge schmelzen wie Karamell. Obwohl sich diese Musik unter weit geschwungenen Bögen ruhig entfaltet, entsteht eine geheimnisvolle Spannung, die die Menschen elektrisiert. Ein diskreter Groove treibt sie an wie Wasser ein Mühlrad. Darüber strahlt die weibliche Stimme, der Intonationsprobleme und Phrasierungsschwierigkeiten völlig fremd zu sein scheinen. Am schönsten ist der „December Song“, eine süße Sehnsuchtsballade, die in einem trägen Dreivierteltakt weich und leise durch den Klangraum schaukelt.
Leider vergällen einem die Geräusche des Lounge- und Barbetriebs im Bix die Freude an leiser Musik. Die Veranstalter kennen das Problem und lassen deshalb nur Bands mit Schlagzeug in ihrem Club auftreten. Thomas Staiber





~ Thomas Staiber

Deko Füller
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