Artikel geschrieben am: 01.01.70

--- (Datei: Shaw, 31.12.04 tot)

Jazzlegende Artie Shaw am 31.12. 2004 in Kalifornien gestorben
Der Jazz hat einen König verloren: Artie Shaw, King Of Swing, 94-jährig in Kalifornien verstorben. Nicht viele, die jetzt um ihn trauern, werden das Vergnügen gehabt haben, den legendären Klarinettisten und Band Leader selbst zu erleben. Denn Shaw, ein linker Intellektueller, hasste öffentliche Auftritte und legte 1954 - fünfzig Jahre bevor ihm jetzt der Lifetime Achievment Grammy verliehen wurde - seine Klarinette für immer beiseite. Als ob man einen brandigen Arm amputieren lässt, sei ihm das vorgekommen, schrieb er in seiner Autobiographie „The Trouble With Cinderella“.
Auf eine Aschenbrödelkarriere konnte der Sohn armer Juden aus der Lower Eastside in New York, in der Tat zurückblicken: Vom unscheinbaren Holzbläser Arthur Jacob Arshawsky zu Artie Shaw, dem ungekrönten King Of Swing. Doch im Unterschied zu Jazzgrößen, die mit meist langweiligen Revival-Bands vom Ruhm der Vergangenheit zehren, hat sich Artie Shaw völlig zurückgezogen und lebte in Mexiko, Australien, Spanien, Connecticut und Kalifornien. Mag sein, dass er auch deshalb zur Legende wurde, ein gefundenes Fressen jedenfalls für Klatschjournalisten, die sich genüsslich über die acht Ehen ausließen, die Artie Shaw mit Hollywood-Stars wie Lana Turner oder Ava Gardner eingegangen war.
Shaws größter Erfolg, der ihn über Nacht reich und berühmt machte, war Cole Porters karibischer Tanz „Begin The Beguine“, den er 1939 zu einem Smash-Hit machte. Nun singt Billie Holiday in seinem Orchester, setzt sich Buddy Rich ans Drum Set, bläst Roy Eldridge die Trompete, jubeln die Kritiker, und das Publikum kauft massenhaft die ausgezeichnete Schellackscheibe. Luftig swingend, grundsolider Beat, entspannte Melodieführung, phantasievolle Klarinettensoli, perfekter Orchesterklang – Elemente des Erfolgs. Selbst Benny Goodman, Shaws großer Rivale, musste das damals neidlos anerkennen. Später betonte Cannonball Adderley die „coole“ Modernität der Shaw-Big-Band, die dem Jazz das Tor für die Zukunft aufgestoßen hat. Thomas Staiber


~ Thomas Staiber

Deko Füller
Familienbild