Artikel geschrieben am: 01.01.70

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Matt Savage, 11, Jazzkomponist und Pianist
Jazzsensation gefällig? Bitteschön: In den USA spielt Matt Savage, ein elfjähriger Autist so gut Klavier, dass ihn Dave Brubeck „absolut erstaunlich“ findet, gar als „Jahrunderttalent“ apostrophiert, dass Chick Corea seine Jam-Session mit dem kleinen Ausnahmemusiker als „bewegend, entzückend und inspirierend“ beschrieben hat.
„Inselbegabungen“ oder „Savants“ nennt man in der Wissenschaft solche Fälle, von denen es weltweit etwa hundert gibt. Ralf Hoppe gibt in der aktuellen Ausgabe des „Spiegel“ Einblicke in die Welten und unglaublichen Fähigkeiten dieser Menschen. Mühelos und schneller als jeder Mathematiker rechnen sie beispielsweise 4397 mal 8915, nennen komplette Fahrpläne, Sportergebnisse über vierzig, Kalenderkalkulationen über 4000 Jahre oder beherrschen zwanzig Sprachen. „Wissende Idioten“ wurden sie früher genannt, „Savants“ heute. Einer von ihnen etwa flog in Begleitung zweier BBC-Reporter im Hubschrauber über London und zeichnete in drei Stunden ein exaktes, perspektivisch korrektes Luftbild der englischen Hauptstadt.
Manche dieser Höchstleistungen beim Memorieren zeigen sich auch in der Musik. Klavier-Savants können Tausende von Stücken auswendig vortragen. Doch Matt Savage, das Jahrhundertgenie, unterscheidet sich von ihnen: Sein Klavierspiel klingt nicht hölzern-mechanisch, es ist lebendig, kraftvoll, beseelt. Der Elfjährige mit dem absoluten Gehör leitet ein eigenes Jazz-Trio, komponiert eigenes Material, spielt Standards von Billy Strayhorn, Rodgers and Hammerstein oder Charlie Parker und hat schon seine dritte CD veröffentlicht.
Die leidgeprüften Eltern dürfen ihn jetzt „den Mozart des Jazz“ nennen und sind überglücklich, dass gerade ihr Kind, das an tiefgreifenden Beziehungsstörungen leidet, das beim Spielen zweckentfremdete Stereotypien entwickelt, oft nicht ansprechbar ist, anderen Menschen ständig auf Zehenspitzen davon läuft, dass dieses in seiner eigenen Vorstellungswelt gefangene, aber extrem intelligente Kind zur Musik gefunden hat. Besonders zur Komplexität und Spontaneität des Jazz. Ohne Einfühlung, Verständigung und Interaktion ist kein Musizieren mit anderen möglich. Erst recht nicht mit improvisierenden Jazzmusikern. Wie schön und spielerisch Matt Savage in seinem Jazztrio kommuniziert, welches kreative Potenzial er auch solistisch entfaltet, und wie er, der autistische Savant, die Lieder einem großen Publikum ansagt und lacht – das ist mehr als eine Sensation. Es ist wie ein Wunder. Thomas Staiber

Weitere Informationen und Bilder: www.savagerecords.com

~ Thomas Staiber

Deko Füller
Familienbild