Artikel geschrieben am: 11.11.09

Jasper van’t Hof & Bob Malach


Zunächst wirkt die musikalische Begegnung von Jasper van’t Hof und Bob Malach wie ein zufälliges Zusammentreffen mit ein bisschen Small Talk. Dann erzählt jeder etwas von sich. Ein Dialog ist das noch nicht. Der holländische Tastenkünstler verkettet beiläufig zwei Phrasen, bis sie an eine Bachsche Fuge erinnern. Das klingt wie die Fingerübung eines virtuosen Pianisten. Malach begnügt sich damit, auf seinem Tenorsaxophon eine kleine Melodie zu spielen, sie ein paar Mal zu wiederholen, wobei er sie kaum merklich verändert. Doch mit der Zeit gewinnt die Begegnung an Dynamik. Van’t Hof mit seinem überbordenden Temperament übersprüht das Balladenthema mit Kaskaden perlender Klaviertönen. Diesen schöpferischen Akt begleitet er mit einer Art Gesang, der mehr mit hervor brechenden Urlauten als mit artikuliertem Singen zu tun hat. Man kennt das von einem anderen Jazzpianisten, von Keith Jarrett. Nun ist es an der Zeit, dass auch Malach sein künstlerisches Potential entfaltet. Mit einem angenehm warmen und runden Saxophonton, der stets melancholisch angehaucht zu sein scheint, begibt er sich in das musikalische Zwiegespräch. Es ist die respektvolle und aufmerksame Kommunikation zweier gestandener Männer, die einander mögen und sich nach langer Zeit wieder sehen. „Pseudopodia“ nennen sie ihr Duo-Projekt; so heißt auch die eben erschienene CD.

Beim Improvisieren über „However“, eine alte Nummer von 1974, wirkt bei beiden ein individueller psychischer Automatismus, der die Vergangenheit an die Oberfläche hebt und ihr eine neue prismatische Form gibt, die immer wieder in neuen Klangfarben aufleuchtet. Mit geschlossenen Augen lauscht Malach, der amerikanische Holzbläser mit den polnischen Wurzeln, dem Klavierspiel des holländischen Partners, das ihn zu einer aussagekräftigen Improvisation beflügelt. Das Schöne dabei: Die zwei Musiker spielen sich bei allen Unterschieden ihrer Temperamente in eine gemeinsame Stimmung hinein. Ohne Rhythmusgruppe wird ihre Offenheit besonders deutlich.

Am Ende des mit Balladen gesättigten Programms nimmt die Sache Fahrt auf. Jasper van’t Hof spielt „Crystal Bells“ und „Mute“ eines anderen Duopartners: Kompositionen des jüngst verstorbenen Charlie Mariano. Jetzt erspielt er sich die Freiräume, in den er endlich musikalische Purzelbäume schlagen und sich mit übermütigen Volten austoben kann. So kennt man den sympathischen, perfekt Deutsch sprechenden Holländer. Bob Malach übernimmt nun den Solopart Marianos und erinnert mit dem tieferen Tenor eindrucksvoll an den großen Altsaxophonisten.

~ Thomas Staiber

Deko Füller
Familienbild