Artikel geschrieben am: 01.01.70
--- (Datei: Rose 20.2.08 TH)
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Rose, Theaterhaus 20. 2. 2008
In Frankreich regelt ein Gesetz, dass über die Hälfte der im Radio gespielten Lieder französisch sein müssen. Seit dieser selbstbewussten Quotenregelung gedeiht und blüht die Musikszene jenseits des Rheins. Auch Carla Bruni, derzeit in aller Munde, hat davon profitiert. Noch nicht so bekannt ist eine Pop-Sängerin aus Nizza, die sich nach einem Janis-Joplin-Film mit Bette Middler „Rose“ nennt. Sie ist, das zeigte ihr Konzert im Theaterhaus, im Begriff sich auch im Nachbarland Deutschland hübsch zu entfalten. Mit einer leicht rauchigen verführerischen Mädchenstimme, die die Wörter auf der Zunge zergehen lässt wie Karamellbonbons, ihrem braunen Haar, ihren sinnlichen Lippen, dem schlanken Körper im kleinen Schwarzen nimmt sie nicht nur die frankophonen Zuhörer für sich ein. Auch Französischschüler aus der Kursstufe haben, auch wenn sie nicht jedes Wort verstehen, ihre Freude an dieser Vokalistin und ihrer leicht und geschmeidig dahin fließenden Musik. Da gibt es Anleihen aus amerikanischen Pop- und Country-Tunes – das Erfolgsrezept von Norah Jones lässt grüßen - aber auch Rose schöpft aus der scheinbar nie versiegenden Quelle des französischen Chanson. Und da zählt in erster Linie die Poesie der Sprache. Die ist bei den selbst geschriebenen Liedern der gelernten Lehrerin von lakonischer Treffsicherheit. Es geht - wie könnte es anders sein - um Liebeslust und Liebesleid. Durch den hübschen Rhythmus, eine schamlose Ehrlichkeit, ihren Übermut und überraschende Wortspiele wirken die Chansons von Rose gar nicht kitschig. „La Liste“, ein Titel ihres erfolgreichen Debütalbums, wird zurzeit auf allen französischen Sendern gespielt. Darin zählt Rose auf, was sie so für die Liebe braucht. Manchmal zeigt sie dabei Stacheln, oft ihre Verletzlichkeit. Denn der Impuls, eigene Texte zu schreiben, entstand vor zwei Jahren aus der Notwendigkeit, eine schmerzhafte Trennung zu verarbeiten. Offenbar ist ihr das geglückt: Auf der Bühne des Theaterhauses präsentierte sich eine fröhliche junge Frau, die sich bei ihren Ansagen manchmal vergaloppiert, die aber in ihren Pop-Chansons selbstbewusst ihre Zukunft gestaltet, und dabei das Publikum berührt.
Thomas Staiber
~ Thomas Staiber