Artikel geschrieben am: 01.01.70
--- (Datei: Rogers Kiste Interview)
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>Bitte Bernd Haasis vorlegen!
Interview mit Bernhard Gericke, genannt Atze, zur Schließung von Stuttgarts Live-Jazz-Club „Rogers Kiste“
StN: Rogers Kiste ist für viele Stuttgarts Jazzclub Nummer 1. Nun scheinen seine Tage gezählt.
B. G.:Ich schreie seit mindestens 6 Jahren diskret,
> seit vier Jahren laut um Hilfe. Dabei stieß ich durchaus
> nicht nur auf taube Ohren.... Allein, niemand fand eine wirksame
> Lösung. Woher auch. Schließlich bin ich bei aller Öffentlichkeit und
> auch trotz der Erledigung öffentlicher Kulturarbeit eben "nur" ein
> Privatmensch ohne Recht auf Steuergelder oder Spenden. Außerdem bin ich
> ein sturer Bock und mächtig stolz auf meine Unabhängigkeit gewesen.
> Um so betrüblicher, dass er nichts einbrachte, außer vielleicht den
> Anteil des vielgeteilten Kulturpreises der Hypobank im Jahre 2001. Ich
> will nicht undankbar sein: Die Knete reichte immerhin für ein Jahr
> GEMA!
> StN: Wann gehen die Lichter aus?
>B.G.: Die Lichter gehen am 30.9.04 aus. Dann endet der Pachtvertrag,
> der mit Verlängerungen inzwischen seit 30 Jahren besteht, von denen ich
> als offizieller Pächter 20 Jahre dabei bin, als Mitarbeiter und/oder
> Mitgestalter der Institution Rogers Kiste
> seit 28 Jahren. Eine Verlängerung ist rein formal möglich, unter den
> derzeitigen Bedingungen aber nicht mehr finanzierbar.
>StN: Die Kiste scheint ein Fass ohne Boden zu sein.
B. G.:Die Kiste war noch nie eine Goldgrube. Ich habe 1994 100.000.-
> DM in die technische Renovierung investiert und seit ca. 1998
> zusätzlich ungefähr 62.000.- €uro (das war meine Altersversorgung aus
> einer Lebensversicherung) in den laufenden Betrieb zugeschossen!! Ich bin vermutlich der derzeit größte private
> Jazzsponsor der Stadt.
StN: Ist das letzte Wort gesprochen?
> B. G.: RoKi ist nicht nur für Stuttgarts Jazzer von großer Bedeutung.
> Wir sind inzwischen eine bundesweit viel beneidete Institution . Selbst, und das ist keine Übertreibung, weltweit
> gibt es nur noch eine handvoll Clubs ohne touristisches Ambiente, die
> mit purem Jazzprogramm der modernen Richtung das Programm der ganzen
> Woche (!) füllen. RoKi ist nicht meine Erfindung. Über die lange Zeit
> hinweg hat sie sich aber zu meinem Lebenswerk entwickelt. So etwas gibt
> man nicht einfach auf. Nicht für oder wegen des Geldes. Wichtig ist
> über alle finanziellen Interessen hinaus der Erhalt dieser einmaligen
> Spielstätte.
> StN: Wer könnte in die Bresche springen?
>B. G.: Ich hatte die Idee, als künftigen Betreiber und Pächter
> einen gemeinnützigen Verein einzusetzen. Ich würde ohne (zumindest ohne
> vordergründige) finanzielle Interessen meine materiellen Investitionen
> sozusagen als Vermächtnis in das Vereinskapital einbringen. Weiterhin
> wäre ich bereit gegen eine bescheidene Aufwandsentschädigung den Laden
> weiter zu managen. Einzig: Ich möchte mit all den aufreibenden
> finanziellen Forderungen aus dieser Beschäftigung nichts mehr zu tun
> haben.
> Wie müsste die Zukunft einer sanierten Kiste aussehen?
> B.G.: Wenn an all den vollmundigen Bekenntnissen zum Jazz aus
> gutsituierter Wirtschaft und Politik auch nur ein Quäntchen stimmt,
> wäre es doch ein Leichtes, diese Peanuts von vielleicht
> 1000 - 2000€ monatlich aufzutreiben, um diese einmalige Spielstätte des Jazz
> aufrecht zu erhalten! Eventuelle Überschüsse wären bei den
> Gagen der Jazzer schnell untergebracht!
> Fragen: Thomas Staiber
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~ Thomas Staiber