Artikel geschrieben am: 01.01.70
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Roditi – Ignatzek – Rassinfosse, 28.11.2007 Bix
Ein guter Trompeter bewältigt technische Schwierigkeiten, einem sehr guten hört man die Mühen gar nicht an. Claudio Roditi, der 61-jährige in New York lebende Brasilianer, ist ein sehr guter. Mit spielerischer Leichtigkeit liebt er es, den melodischen Kern der Kompositionen herauszuschälen und improvisierend die entstehendenWohlklänge auszukosten. Dabei kann er aus zwei Quellen schöpfen: Roditi ist ein astreiner Bebop-Trompeter in der Nachfolge von Dizzy Gillespie, in dessen Band er fünf Jahre ins Horn stieß, und er hat zweitens ein Faible für Bossas, Sambas und Salsas - ein Latin Lover südamerikanischer Rhythmen.
Ihm zur Seite sitzt Jean-Louis Rassinfosse auf einem Hocker und zupft die fünf Kontrabasssaiten. Er erweist sich ebenfalls als passionierter Melodiker, begeistert mit quicklebendigen Walking-Bass-Lines und streut gerne – fast zu oft – witzige Zitate von Beethoven oder Deep Purple in die Chorusse ein. Seine zehnjährige Zusammenarbeit mit Chet Baker hat den Belgier international bekannt gemacht.
Der dritte Mann heißt Klaus Ignatzek. Der Oldenburger Jazzpianist, acht Jahre jünger als Roditi, verfügt über ein sehr kultiviert fließendes, technisch ausgereiftes Tastenspiel. Ein paar Pausen mehr (Jazzer würden sagen „Löcher“), und sein stets perlendes Spiel würde an Dynamik noch gewinnen.
Seit zwanzig Jahren spielt dieses Trio nun zusammen, traumhaft sein Spielverständnis, alles wirkt wie aus einem Guss. Trotz zahlloser Auftritte und Studioaufnahmen haben die drei Jazzer spürbar Freude am gemeinsamen Musizieren. Sei es bei „Four“, einer Nummer, die Miles Davis bekannt gemacht hat, sei es eine Samba von Jobim, bei der die Improvisationskunst phantasievoll aufblüht. Da greift Roditi zum Gesangsmikrophon, um, wie er sagt, „seine Lippen zu schonen“. Wie gut passen die samtenen Flügelhornklänge zum weichen brasilianischen Idiom des Liedes! Lächelnd applaudieren die Gäste in dem Stuttgarter High-Tech-Club, der den Namen eines anderen Trompeters trägt.
Thomas Staiber
~ Thomas Staiber