Artikel geschrieben am: 01.01.70

--- (Datei: Rava - 2x Weber 07)

Europeans ( Trompeter Enrico Rava, 67, Bassist Eberhard Weber, 66, Perkussionist Reto Weber, 53) – Dieselstraße 4.2.2007
Enrico Rava, Speerspitze des italienischen Jazz, Eberhard Weber, deutscher Doyen des Bassspiels, und Reto Weber, Rhythmusmagier aus Bern, haben sich als Trio konstituiert, das man getrost als eine Supergruppe des europäischen Jazz bezeichnen kann.
Rava, 1939 (und nicht 1943!) in Triest geboren, hat die ganze Geschichte des Jazz verinnerlicht: vom harmlosen Dixieland bis zur sperrigen Avantgarde. Der raffinierte Instrumentalist aus Italien - lange in New York und in Argentinien lebend - hat einen Geschmack für Swing bewahrt, für atmende Phrasierungen und für die seidige Geschmeidigkeit des lyrischen Trompetenspiels. Dabei spart er bei seinen Improvisationen nicht mit Paroxysmen. Das macht die Sache spannend. Vorgeworfen wird dem Blechbläser gelegentlich, dass er sich aus der Nachfolge von Miles Davis und Chet Baker nicht löst. Doch hat er – wie auch das begeistert aufgenommene Konzert in der rappelvollen Esslinger Dieselstraße wieder bewies – seine genuine musikalische Ausdrucksweise gefunden, die es ihm erlaubt, sich mit großer Leichtigkeit in verschiedenen Kontexten zu bewegen.
Da sorgt der vor 67 Jahren in Hedelfingen geborene Eberhard Weber – auch er ECM-Künstler – mit seinem melodisch singenden Bassspiel für harmonische Fundamente. Weit geschwungene Bögen mit luftigen, manchmal eisklar wirkenden Improvisationen und Modulationen beflügeln Rava zu wolkig weichen Trompetenklängen, die allmählich an Schärfe gewinnen, bis sie mit siegessicherer Geste als triumphale Attacke strahlen.
Der 53-jährige Benjamin des Trios heißt auch Weber (Vornamen Reto) und kommt aus der Schweiz. Er unterlegt die Improvisationsmusik mit schnellen trockenen Trommelwirbeln, die er erst einer Djembe, dann dem selbst entworfenen Hang entlockt, das an karibische Steel-Drums erinnert (www.hang.ch). Sein Namensvetter, der als Sohn eines Musiklehrers in Esslingen aufgewachsen ist, erfreut das Publikum mit Anekdoten. Dann lässt er mit einem Echo- und Verzögerungsgerät Basstöne Loopings machen, und die improvisierte Klangreise geht weiter. Sie funktioniert allein durch die musikalische Seelenverwandtschaft dieser drei europäischen Jazzer – als das Geheimnis ihres inspirierten und fein gewebten Zusammenspiels.
Thomas Staiber

~ Thomas Staiber

Deko Füller
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