Artikel geschrieben am: 01.01.70

--- (Datei: Rabold - Fischbacher 7.11.08)

Frédéric-Rabold-Crew und Axel-Fischbacher-Quartett, 7.11.2008, Bix
Gestern Abend klangen die 29. Stuttgarter Jazztage mit dem traditionellen Jazz für Kinder und einer fröhlichen Jamsession im Bix aus. Am Freitagabend hatten zwei Bands am selben Ort über hundert Gäste begeistert: eine lokale und eine überregionale Jazzformation – wie es das bewährte Festivalkonzept verlangt. Nirgends sonst als im herbstlichen Stuttgart lässt sich die Qualität der hiesigen Improvisationsmusik besser einschätzen. Und seit Jahren wissen wir: Stuttgart ist im nationalen Vergleich ganz vorne dabei.
Zunächst spielte die seit vierzig Jahren in wechselnder Besetzung auftretende Crew des 1944 in Paris geborenen Trompeters Frédéric Rabold mit dem badischen Akzent. Und wie! Rabold schafft es immer wieder, viel versprechende Talente wie die Holzbläser Regina Bücher und Andy Rapp zu integrieren. Dabei verlangt er ihnen einiges ab. Herz und Verstand brauchen die Musiker, um den hohen Anforderungen gerecht zu werden, die Beherrschung komplexer Strukturen, vertrackter Asyemmetrien bei federnden Grooves, fliegenden Rhythmuswechseln, die Bereitschaft für spontane Eruptionen beim Solieren, aber auch ein Gespür zu entwickeln für langsam treibende Klangwolken.
Nach diesem einfallsreichen Sextett mit dem starken Bläsersatz brachte ein gemischtes Doppel feminine Noten ins Spiel. Der exzellente Düsseldorfer Gitarrist Axel Fischbacher hatte die - wie stets sicher und gefühlvoll spielende -Lokalmatadorin Karoline Höfler, Kontrabass, und die Posaunistin Annie Whitehead für seinen Stuttgarter Festivalauftritt ins Boot geholt. Als rhythmischer Steuermann war – mit wunderbar geschmeidigem Spiel – Drummer Christoph Hillmann an Bord. Die beiden Männer ließen sich von den zwei Tieftönerinnen zu großartigen Leistungen inspirieren. Der Klangraum öffnete, und die Spannungsbögen weiteten sich. Über vibrierenden Rhythmen, die mit der Zeit eine wahre Sogwirkung entfalteten, erstrahlte das Solo-Spiel der englischen Zugposaunistin und des entspannten Rheinländers an der roten Gibson. Sehr zur Freude des sachkundigen Publikums, das es zu schätzen wusste, dass moderne Jazzer auch mal einen alten Standard wie Saint James Infirmary oder eine südafrikanisch angehauchte Nummer spielen. Thomas Staiber

~ Thomas Staiber

Deko Füller
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