Artikel geschrieben am: 01.01.70
--- (Datei: Ponty Dauner 2007)
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German Jazz Trophy 2007 für Jean-Luc Ponty, Sparda-Bank, 16. 11. 2007
Zum siebten Mal wurde in Stuttgart die German Jazz Trophy verliehen. Der Preisträger 2007 heißt Jean-Luc Ponty. Der 65-jährige Geiger aus Frankreich ist ein alter Weggefährte von Wolfgang Dauner, der Stuttgarter Jazzkoryphäe. Das Preisträgerkonzert der beiden begeisterte das Festpublikum in der Sparda-Bank. Kennen gelernt hatten sie sich, nachdem der deutsch-französische Freundschaftsvertrag 1963 unterzeichnet worden war und der kulturelle Austausch wie durch eine geöffnete Schleuse flutete. In keinem anderen Land - Frankreich natürlich ausgenommen - ist Ponty damals so oft aufgetreten wie in Deutschland. Als „Teufelsgeiger“ bewunderten ihn damals die Leute. Dauner griff bei Pontys Produktion „Sunday Walk“ in die Tasten, der Nordfranzose revanchierte sich und stieg beim Süddeutschen in dessen Projekt „Free Action“ ein. Es folgten zahlreiche gemeinsame Konzerte. Besonders in Erinnerung blieb der Auftritt bei Friedrich Guldas gattungsübergreifendem Musikfest am Ossiacher See. Dann trennten sich die Wege.
Ponty zog es in die USA, wo er Mitglied von Frank Zappas Mothers Of Invention wurde, dann von John McLaughlin ins Mahavishnu Orchestra geholt wurde und bei zahlreichen Studioproduktionen mitwirkte, etwa bei Honkey Château von Elton John. „Der Rockjazz der 70-er Jahre ist ohne den Klang von Pontys Geige nicht vorstellbar“, sagte Andreas Kolb (Jazzzeitung) bei seiner Laudatio. Während sich Ponty von Los Angeles aus als Galionsfigur der Fusion-Musik profilierte,
verschmolz Dauner in Europa Free Jazz, Rock und Elektronik: mit der legendären Radio Jazz Group Stuttgart, seinem Trio mit Eberhard Weber und Fred Braceful und dann mit dem sehr erfolgreichen United Jazz & Rock Ensemble.
Beide, Ponty und Dauner, waren hellwache, ideenreiche und sehr begabte Kinder ihrer Zeit, Ausnahmekünstler in dieser höchst spannenden Epoche der Umbrüche und Veränderungen, Musiker mit vergleichbaren Interessen.
Umso mehr freuten sich beide, als sie beim Konzert an Dauners 70. Geburtstag im Theaterhaus nach den vielen wilden Jahren des Experimentierens und der Rückkehr zum akustischen klassisch-kulinarischen Musizieren eine große Verbundenheit spürten. Also gründeten sie vor ein paar Monaten ein Duo, das nun schon in Italien, Ungarn und hierzulande die Zuhörer berührt und begeistert hat.
Beim Stuttgarter Preisträgerkonzert war das nicht anders. Ponty faszinierte mit stupender Virtuosität und spielerisch leichter Improvisation. Er führt die Tradition der französischen Jazzvioline weiter, was bei der Zugabe, beim entzückenden Jerome-Kern-Standard „All The Things You Are“ besonders deutlich wurde. Aber auch bei Dauners Vorzeigenummer „Drachenburg“, das der für seine Frau und Muse Randi Bubat geschrieben hat. Die war es auch, die der Jury Jean-Luc Ponty vorgeschlagen hatte. Die Wahl war Thomas Renner, dem Sparda-Chef, Andreas Kolb und Götz Bahmann (Musik und Wort) leicht gefallen. Der erste Preisträger Prof. Erwin Lehn überreichte eine Hajek-Skulptur, Markus Brock vom SWR führte gewohnt charmant durch das Programm dieses gelungenen Abends. Und Jean-Luc Ponty dankte auf Deutsch mit einem abgewandelten Vers von Heinrich Heine: „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, dass ich so fröhlich bin.“
Thomas Staiber
~ Thomas Staiber