Artikel geschrieben am: 01.01.70

--- (Datei: Peterson, Oscar am 23 12 2007 gestorben)

Oscar Peterson ist tot
Oscar Peterson ist am Sonntagabend - umgeben von seinen Liebsten -
in Mississauga an Nierenversagen gestorben. Wie kein anderer steht der schwergewichtige, aber unglaublich leichthändige Pianist für den swingenden Jazz. Acht Grammys hat er erhalten, darunter 1997 den für sein Lebenswerk, in die Hall of Fame gewählt, sechzehn Ehrendoktorwürden von Universitäten wurden ihm verliehen und – als erster Jazzmusiker überhaupt – bekam er 1993, nachdem er einen Schlaganfall zu verkraften hatte, den begehrten Glenn-Gould-Preis.
Er kannte sie alle und hat mit ihnen musiziert, die ihm als Freunde und Partner auf dem Weg in den Jazzhimmel vorangegangen waren: mit Ella Fitzgerald, Billie Holiday, Louis Armstrong, Count Basie, Nat Kong Cole und Dizzy Gillespie. „Die Welt hat ihren größten Jazzmusiker verloren“, kommentierte Hazel McCallion, die Bürgermeisterin seines kanadischen Heimatortes, den Tod des 82-Jährigen. Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy würdigte ihn als „eines der hellsten Lichter des Jazz.“ Und Jazzfreund Bill Clinton betont gern, dass er im Besitz aller zweihundert Peterson-Alben sei. Immer wieder hatte Peterson Gelegenheit, vor gekrönten Häuptern wie Elizabeth II oder Präsidenten wie Nixon aufzutreten. Für Prinz Charles und Lady Diana komponierte der Jazzriese – von allen als vollendeter Gentleman gepriesen - eine seiner umfangreichen Kompositionen, die „Royal Wedding Suite“. (Er selbst hatte übrigens viermal das Vergnügen, den Bund der Ehe einzugehen.) Doch der „Maharadscha der 88 Tasten“, wie ihn Duke Ellington einmal scherzhaft nannte, musste sich am Anfang seiner Karriere von Zuhörern rassistische Beleidigungen anhören, selbst einige seiner kanadischen Bigbandkollegen entblödeten sich nicht, den willensstarken Hochbegabten, der Tag für Tag acht Stunden Klavier übte, zu beschimpfen. Er kenne nur einen Musiker, der nicht üben müsse, hatte ihm sein Vater auf den Weg gegeben, das sei Gabriel und der habe zwei Flügel.
Schon bald leitete Peterson sein eigenes Trio (immer dabei: Kontrabassist Ray Brown). Norman Granz lud ihn 1947 zur legendären Konzertreihe „Jazz At The Philharmonic“ in die Carnegie Hall. Damit war Oscar Peterson auf einen Schlag weltberühmt. Seine Tourneen führten den Meisterpianisten auch nach Europa, wo er - bei Schwarzwälder Kirsch und Speck – in der Villinger Villa des Saba-Fabrikanten und Gründers des MPS-Jazzlabels Hans Georg Brunner-Schwer exklusive Jazzaufnahmen machte. Wie immer spielte er strahlend und schwitzend, mit überschäumender Spielfreude, großem Einfallsreichtum, hoher Ideendichte und swingend wie Erzengel Gabriel. Mit dem und den Jazzgrößen von früher, die ihn sehnlichst erwartet haben dürften, wird er nun die elysischen Gefilde zum Swingen bringen. Während wir uns hienieden mit den Tonaufnahmen von Oscar Peterson trösten müssen. Thomas Staiber

~ Thomas Staiber

Deko Füller
Familienbild