Artikel geschrieben am: 01.01.70
--- (Datei: Pasadena Roof Orchestra 03 08)
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Pasadena Roof Orchestram, 24. 3. 2008 Gustav-Siegle-Haus
Als die Prinzessin tausend Wochen alt war, tanzte sie für ihr Leben gern. Heute, sechzig Jahre später, ist die Queen Elisabeth II. durchaus amused, wenn sie die Swing-Musik ihrer Jugend hört. Besonders wenn eine britische Band, das Pasadena Roof Orchestra, sie genauso spielt, wie sie damals klang.
Nicht nur ihr geht es so. Das ehrwürdige Gustav-Siegle-Haus war voll besetzt von Menschen, die sich erinnern und einen netten Jazzabend genießen wollten.
Zehn Herren in Smoking und schwarzer Fliege, Sänger und Conférencier Duncan Galloway im Frack gestalteten diesen Konzertabend stilecht, authentisch und bestens gelaunt. Very charming indeed.
Das Swingorchester schnurrte wie ein glückliches Kätzchen, lief rund wie ein gut geölter Motor. Es swingte derart elastisch und federleicht, dass es eine Freude war. Besonders Galloway entzückte das Publikum mit seiner hellen Swingsingstimme, verblüffend zungenfertigen Scat-Einlagen und seinen in vorzüglichem Deutsch vorgetragenen Ansagen und trockenen Pointen. Die Bigband überzeugte vor allem als Klangkörper, solistisch kann sie etwa The Best, der Swing-Band von Paul Kuhn, nicht das Wasser reichen. Nur die Posaune von Steve Shaw und das Tenorsaxophon von Oliver Wilby in der Coleman-Hawkins-Nachfolge könnten da mithalten. Doch beim Pasadena Roof Orchestra geht es weniger um improvisatorische Glanzleistung als um die Authentizität des Stils aus dem erfolgreichsten Jahrzehnt des Jazz. Nicht vor 1935 und nicht nach 1945, also in der Blütezeit der Swing-Ära, war der Jazz derart populär. Nach der Weltwirtschaftskrise begann Roosevelts New Deal zu wirken, und die Leute wollten die Depression vergessen und tanzten Swing, bis die Sohlen glühten. Der Jazz hatte seinen Ghettogeruch abgelegt, war weiß gewaschen - und hatte seine Ursprünglichkeit verloren. Doch alle Welt sang die Jazzschlager, die hier nun auch – quicklebendig wie eh und je – erklangen: Just A Gigolo, Puttin’ On The Ritz, The Very Thought Of You, Nobody’s Sweetheart, Home In Pasadena und wie sie alle heißen. So etwas kann man nicht nur auf Luxuskreuzfahrten oder im Buckingham-Palast genießen, sondern auch im Stuttgarter Gustav-Siegle-Haus.
Von Veranstalterseite war zu erfahren, dass das nicht subventionierte, aber von Sponsoren unterstützte Boomtown Jazzfestival ein voller Erfolg gewesen sei: von zehn Konzert sieben ausverkauft, an fünf Abenden viertausend Besucher. „Irgendwann im Frühjahr 2009“ (Schlensog), „aber nicht an Ostern“ (Schulz) soll es eine Neuauflage geben.
Thomas Staiber
~ Thomas Staiber