Artikel geschrieben am: 01.01.70
--- (Datei: Pannonica de Koenigswarter Jazzphotobuch)
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Die Jazzmusiker und ihre drei Wünsche
Reclam Verlag, Stuttgart 2007ISBN 3150106532Gebunden, 312 Seiten, 35,00 EUR
Klappentext
Um nicht von Sensation zu sprechen: Dieses Buch ist für jeden Jazzfan eine überaus freudige Überraschung, es rührt an und lässt wundern: Die fabulöse Nica, Baronesse Pannonica de Koenigswarter geb. Rothschild, Mentorin und Vertraute sozusagen aller Jazzer im New York der 50er und 60er Jahre, die Frau, in deren Wohnung Charlie Parker starb und Thelonious Monk neun Jahre lebte, namentlich verewigt in zwei Dutzend Jazzstandards, Nica also hat mit einer Polaroid-Kamera 300 ihrer Jazzmusikerfreunde fotografiert und ihnen allen die Frage gestellt, was sie sich wünschen würden, hätten sie drei Wünsche frei, um daraus irgendwann einmal ein Buch zu machen. Sie selbst ist nicht mehr dazu gekommen, ihre Enkelin Nadine hat den Schatz im letzten Jahr heben können und das Projekt zu einem späten glücklichen Ausgang gebracht. Und da sieht man sie alle, in rauen ungeschönten, teilweise zerfallenden, aber um so kostbareren Fotos.
Pannonica de Koenigswarter
Baroness Pannonica de Koenigswarter, geb. Kathleen Annie Pannonica Rothschild, (* 10. Dezember 1913; † 30. November 1988) – eine Nachfahrin der englischen Rothschilds – war eine der wichtigsten Förderinnen des Modern Jazz. Vor allem mit dem Jazzpianisten Thelonious Monk und dessen Familie war sie eng verbunden. Monk wiederum benannte einen seiner bekanntesten Titel Pannonica.
Leben [Bearbeiten]
Pannonica Rothschild wurde 1913 als Tochter des Bankiers und Entomologen Charles Rothschild und von Rozsika Edle Rothschild, geb. von Wertheimstein, geboren. Ihr Bruder war Victor Rothschild, der dritte Baron Rothschild, und ihre Schwester Miriam Rothschild eine angesehene Zoologin. Pannonica, auch Nica genannt, wurde nach einer Pflanzengruppe in der Pannonischen Tiefebene in Ungarn benannt, die Schmetterlingen und Motten als Biotop dienen. Sie wuchs in Frankreich auf und begann 1931 in München ein Studium der Malerei. Nach der Machtübernahme des Nationalsozialismus brach sie ihr Studium ab und verließ 1933 Deutschland wieder. 1935 heiratete sie den französischen Diplomaten Baron Jules de Koenigswarter. Sie wurde noch im selben Jahr Pilotin und bereiste mit ihrem Mann halb Afrika. Sie lebten dort einige Jahre und hatten zusammen fünf Kinder. Hier entwickelte sie auch ein Interesse an afrikanischer Kultur.
Während des 2. Weltkrieges engagierte sich ihre Familie im Widerstand gegen die Nazi-Diktatur: ihr Mann setzte sich für die Résistance ein, sie arbeitete für Charles de Gaulle und ihr Bruder Victor tat dies für Winston Churchill. Victor Rothschild erhielt von Teddy Wilson Klavierunterricht, und er war es auch, der in ihr die Liebe zum Jazz weckte.
Nach Kriegsende zog sie mit ihrem Mann nach Mexiko-Stadt. 1951 ging sie - ohne ihren Gatten - nach New York, wo sie eine Suite im „Stanhope Hotel“ an der Fifth Avenue bewohnte. Die Scheidung wurde erst 1956 vollzogen.[1]
Sie tauchte in die New Yorker Jazzszene ein, und ihre Suite wurde von unzähligen Jazzmusikern frequentiert, die sich dort erholten, unterhielten und dort auch Jam Sessions abhielten. Schnell wurde sie für Jazzmusiker zu einer Art Patronin und half ihnen durch Geld, Unterkunft und manchmal auch durch juristischen Beistand. Ihre Suite erlangte jedoch vor allem traurige Berühmtheit, weil 1955 dort Charlie Parker starb. Aufgrund ihres Engagements wird sie auch oft als Bebop-Baroness bezeichnet, sie galt als eine Personifikation des weiblichen Hipsters.
Nach Parkers Tod musste sie das „Stanhope Hotel“ verlassen und zog für viele Jahre in das „Bolivar Hotel“. Thelonious Monks Komposition Ba-Lue Bolivar Ba-Lues-Are erinnert an diese Zeit. Pannonica traf Monk erstmals 1954 in Paris, wo sie ihm nach einem Konzert von einer gemeinsamen Freundin, der Pianistin Mary Lou Williams, vorgestellt wurde. Sie wurden Freunde fürs Leben. Sie unterstützte ihn finanziell und durch sie erhielt er auch seine „cabaret card“, die Auftrittserlaubnis für New York, zurück. Diese war ihm Jahre zuvor auf Grund eines vermeintlichen Drogendeliktes entzogen worden. 1972, als er erstmals ernsthaft krank wurde, zog Monk bei der Baroness in ihr Haus in Weehawken, New Jersey ein. Dort stirbt er auch 1982.
Viele Jazzmusiker benannten Stücke nach ihr: Gigi Gryces Nica’s Tempo, Sonny Clarks Nica, Horace Silvers Nica’s Dream, Kenny Dorhams Tonica, Kenny Drews Blues for Nica, Freddie Redds Nica Steps Out, Barry Harriss Inca, Tommy Flanagans Thelonica und Thelonious Monks Pannonica.
Clint Eastwood drehte 1988 den Film Bird über die Jazzlegende Charlie Parker, in dem Diane Salinger die Rolle Nicas spielt. Allerdings war Koenigswarter nicht mit der Besetzung ihrer Figur einverstanden, da sie darin „wie ein Pferd“ aussehe.[2] Nica Koenigswarter taucht auch in Eastwoods Dokumentation Thelonious Monk: Straight, No Chaser von 1989 auf.
1988 starb Baroness Pannonica de Koenigswarter im Alter von 74 Jahren. Ihrem letzten Wunsch gemäß wurde ihre Asche zur Musik von Monks 'Round Midnight im Hudson River verstreut.
Publikationen [Bearbeiten]
Ihre Großnichte Nadine de Koenigswarter, eine in Paris lebende Malerin und Free Jazz-Liebhaberin, fand im New Yorker Ausstellungs- und Konzerthaus Cat House einen Karton mit ihren Fotos von Jazzmusikern, die sie in ihrer Suite fotografiert hatte. Daneben fanden sich auch Notizen von jeweils drei Antworten ihrer Musikerfreunde auf die Frage: „Was sind deine drei Wünsche?“ Pannonica de Koenigswarter fand zu ihren Lebzeiten keinen Verleger für ihr Buchvorhaben. Die französische Académie du Jazz wählte es nun zum Buch des Jahres 2006.
Pannonica de Koenigswarter: Les Musiciens de Jazz et leur trois voeux. Propos recueillis et photos. Éditions Buchet • Castel, Paris 2006, 302 S., ISBN 978-2283020388- deutsch: Die Jazzmusiker und ihre drei Wünsche. Fotografiert und notiert von Baronesse Pannonica de Koenigswarter. Reclam, Ditzingen (erscheint Oktober 2007), 200 schw.-w. Abb., ISBN 3-15-010653-2
JAZZ UND FOTOGRAFIE
Bebop-Baronin am Drücker
Von Hans Hielscher
Pannonica de Koenigswarter war die Mäzenin des Bebop, ihre Exzentrik ebensogroß wie ihre Großzügigkeit. Kein Wunder, dass sich Musiker von Art Blakey bis Thelonious Monk von ihr fotografieren ließen - und ihr die persönlichsten Wünsche anvertrauten.
In die Weltnachrichten kam der Name der Dame aus traurigem Anlass: Baronin Pannonica de Koenigswarter bewohnte die luxuriöse Suite im New Yorker Stanhope-Hotel, in der am 12. März 1955 Charlie Parker starb. Der Genius des modernen Jazz war 34 Jahre alt, aber die Obduktionsärzte glaubten, den Körper einen 60-Jährigen vor sich zu haben – Folgen eines rastlosen Künstlerlebens mit Heroin-, Alkohol- und Fastfood-Exzessen.
Bei der reichen Pannonica fanden Parker und seine Kollegen eine Gegenwelt mit gemütlichem Lager, gepflegtem Essen, Drinks und Zigaretten. Ihre Gastgeberin wurde von Weißen als "Neger-Hure" beschimpft. Die Musiker aber verehrten sie als ihre Muse und widmeten ihr Kompositionen, die als Jazzklassiker bis heute gespielt werden, etwa "Pannonica" von Thelonius Monk" und "Nica's Dream" von Horace Silver.
"Nica malte ein bisschen, wobei sie eine Mischung aus Acrylfarbe, Milch, Whisky und Parfum benutzte", schrieb die "New York Times" über die exzentrische Fremde, die sich Anfang der fünfziger Jahre in der Stadt niederließ. Die geborene Rothschild aus dem englischen Zweig der Bankiersfamilie hatte sich von ihrem Mann getrennt, einem französischen Diplomaten, mit dem sie fünf Kinder hatte. Viele Jahre lebte die Familie in Afrika. Dort war Pannonicas Interesse für schwarze Menschen und ihre Kultur erwacht.
So lag nahe, dass sie im New York mit ihrem Bentley in die Nachtclubs an der 52. Straße und nach Harlem fuhr, wo schwarze Jazzmusiker den neuen Stil des Bebop erfanden. Absolut unbefangen schloss die wohlhabende Weiße Freundschaft mit den am Existenzminimum lebenden Künstlern. Sie half ihnen mit Geld und im Umgang mit Behörden, sie kümmerte sich um Kranke und bezahlte den Musiker Taxis, die sie zu jeder Zeit zu ihrem Quartier bringen konnten.
Jazz & Fotografie: Pannonica de Koenigswarter, die Baronin des JazzMit Karl LippegausMit falschen Adelstiteln wurde im Jazz nie gegeizt. Da gab es Count Basie, Duke Ellington, Benny Goodman (The King of Swing), Miles Davis (The Prince of Darkness). Aber eine echte Baronin war auch dabei, und allein der Name ließ aufhorchen. Viele große Jazzklassiker sind nach ihr benannt: Pannonica oder kurz Nica - wie in "Nica's Dream", "Nica's Tempo", "Blues for Nica", "Inca", "Tonica" u. v. a. Die berühmteste Widmung schrieb ihr bester Freund Thelonious Monk, nämlich das berühmte und viel gespielte "Pannonica". Die charismatische Nica war weder Produzentin noch Besitzerin einer Plattenfirma, nur süchtig nach dieser Musik war sie und liebte die, die sie spielten. Pannonica de Koenigswarter, in deren Wohnung Charlie Parker starb, stammte aus dem englischen Zweig der Rothschildts. Ihr Vater war Bankier und jagte in seiner Freizeit Schmetterlinge, er benannte seine Tochter nach einer ungarischen Spezies, er gründete den Naturschutzbund und war total vernarrt in Jazz. Nica hörte sich begeistert durch seine Plattensammlung. Ihr Bruder brachte im 2. Weltkrieg aus den USA seltene Schellacks mit nach England; der Pianist Teddy Wilson führte sie in Werke wie "Black, Brown & Beige" ein. Als Kunststudentin entdeckte sie für sich die abstrakte Malerei und später die Fotografie. 1931 studierte sie Malerei in München und floh vor den Nazis; vier Jahre später war sie Pilotin, bevor sie mit ihrem Mann halb Afrika bereiste und ihm fünf Kinder schenkte. Nach ihrer Scheidung 1952 zog es die junge Baronin nach New York, wo sie die Muse der Bebopper wurde. Jede Nacht kreuzte die Baronin mit ihrem Bentley durch die Stadt und besuchte die berühmten Clubs ‚Five Spot', ‚Village Vanguard', ‚Birdland' und ‚Small's' in Harlem. Sie unterstützte die Künstler, bemalte Plattenhüllen und wurde die berühmteste Mäzenin des Jazz. Ende der sechziger Jahre hatte sie eine Serie von Polaroids gemacht, viele Bilder waren entstanden in der Intimität ihrer Wohnung. Zwischen 1961-1966 interviewte sie dreihundert Jazzmusiker und stellte ihnen nur eine Frage: "Was sind deine drei Wünsche?" Die Antworten verraten viel über die Situation der schwarzen Künstler: Liebe, Geld, Jobs, Gesundheit und Familie. Überraschend, dass Themen wie Religion und Rassismus fast immer ausgeblendet werden, es ging vor allem ums Überleben und der Kunst treu zu bleiben. Pannonica de Koenigswarter starb 1988, ihrem letzten Wunsch gemäß wurde ihre Asche zu den Klängen von Monks "Round Midnight" im Hudson verstreut. Für ihr Buchprojekt hatte sich zeitlebens nie ein Verleger gefunden. Erst jetzt ist es in Paris erschienen, nachdem sich ihre Enkelin Nadine de Koenigswarter, eine in Paris lebende Malerin mit einem großen Faible für Free Jazz, der Sache angenommen hatte. Die französische Académie du Jazz hat es unlängst zum Buch des Jahres gewählt.
Mit dem Bentley beim Bebop
Eine Fotoband der Jazz-Barnonesse Pannonica de Koenigswarter �berrascht mit intimen Aufnahmen und W�nschen von Jazz-Musikern
Von Bernd Blaschke
Eine Flaschenpost besonderer Art wurde voriges Jahr in Frankreich in die Buchhandlungen gesp�lt. Sie erhielt umgehend den Preis der 'Acad�mie du Jazz' als bestes Buch des Jahres. Gut 40 Jahre nachdem Pannonica de Koenigswarter 300 Jazzmusiker nach ihren dringlichsten drei W�nschen befragte und unz�hlige Polaroids schoss, hat ihre Gro�nichte den Wunsch der 1988 gestorbenen Baronesse erf�llt. Diese fand n�mlich zu Lebzeiten keinen Verleger f�r ihre Schnappsch�sse und Schrumpf-Interviews mit Jazz-Gr��en oder weniger bekannten New Yorker Musikern. Die Nichte entdeckte einen Schuhkarton mit den schon angegilbten Fotos und fand schlie�lich auch einen Verleger in Frankreich. Die deutsche Ausgabe ist nun im Reclam Verlag erschienen. Auch eine englische Ausgabe ist im Entstehen begriffen - ein keineswegs untypischer Umweg in Sachen Publizit�t amerikanischer Jazz-K�nstler, die seit 60 Jahren eher in Europa als im eigenen Land ein Auskommen und Anerkennung finden. Pannonica de Koenigswarter war ein besonderer bunter Vogel im New Yorker Jazz-Milieu, das gewiss nicht an einem Mangel an Exzentrikern litt. Sie entstammte der englischen Linie der legend�ren Bankiersfamilie Rothschild, ihr Vater war neben seinem Finanzberuf ein leidenschaftlicher Schmetterlingsforscher und Pionier der Naturschutzbewegung. Und er sammelte Jazzplatten. Die 1913 in London Geborene hatte in den fr�hen 1930er-Jahren in M�nchen Kunst studiert, bevor sie nach der Machtergreifung der Nazis ihre Zelte hier abbrach. Sie heiratete einen franz�sischen Diplomaten, startete eine Pilotenausbildung, lebte lange in Afrika und Mexiko und gebar f�nf Kinder. Nach ihrer Trennung zog sie nach New York und lernte den Pianisten Teddy Wilson kennen, bei dem sie Klavierunterricht nahm. Von 1952 bis in die 1980er-Jahre wirkte sie als eine Art gute Fee der unter Diskriminierung, Drogen- und Gesundheits-Problemen leidenden Jazz-K�nstler. Mit ihrem Bentley klapperte sie in den 1950er- und 1960er-Jahren die New Yorker Clubs ab. Im 'Five Spot', 'Village Vanguard' oder 'Birdland' wurde sie von den mit ihr befreundeten Musikern aufs herzlichste begr��t. Mehr als 20 Jazztitel sind ihr gewidmet. Nach ihr benannt sind St�cke wie "Nica"' von Sonny Clark, "Nicas Dream" von Horace Silver, Kenny Dorhams "Tonica", Kenny Drews "Blues for Nica" und am ber�hmtesten wohl Tommy Flanagans "Thelonica" sowie Thelonious Monks "Pannonica". Oft ging es nach den Club-Konzerten noch zu einer Session in ihre Hotelsuite - durchaus zum Leidwesen der Hotelbetreiber, die sie freilich auch durch drastisch erh�hte Mietpreise nicht davon abbringen konnten. Charlie Parker starb �brigens 1955 in ihrer Hotelsuite, sein viel zu fr�hes Ende konnte auch sie nicht verhindern.
Sp�ter kauft sie eine gro�e Villa in New Jersey, die einst dem Regisseur Josef von Sternberg geh�rte. Gelegen am Hudson River, mit sch�ner Aussicht auf Midtown Manhattan ist sie auch heute noch ein Konzert- und Ausstellungszentrum. Hier lebte Thelonious Monk jahrelang mit seiner Familie bei der Baronesse. Er gab dem Anwesen auch seinen Namen, "Cathouse", worin eine doppelte Referenz liegt. De Koenigswarter umsorgte nicht nur Jazzmusiker, die sich untereinander gerne als "Cats" bezeichneten. Sie beherbergte auch Katzen, am Ende angeblich 120. Neben ihrer gro�z�gigen Gastgeberrolle und finanziellen Unterst�tzung zahlreicher Musiker, denen ihre Villa als Probe- und Erholungsort zur Verf�gung stand, gestaltete sie auch einige Plattencover. Als M�zenin des Bebop wurde sie in Clint Eastwoods Jazz-Hommage "Bird" verewigt. Freilich klagte sie - Exzentrik oblige -wegen der ihre Rolle mimenden Darstellerin gegen den Film, sie sehe aus 'wie ein Pferd'. Pannonicas nun publizierte Fotos verf�gen �ber reichlich Patina. Die Bilder des so schlicht wie sch�n gestalteten Bandes verhalten sich zu den edlen Hochglanzaufnahmen des Jazz (etwa von William Claxton) wie die leicht klirrenden, nach verstimmtem Klavier klingenden Soloaufnahmen Thelonious Monks zu den digital konservierten Solowanderungen Keith Jarretts, der in den Konzertpausen bekanntlich den Steinway nachstimmen l�sst. Diese Polaroids sind nach 40 Jahren vielfach mit gut sichtbaren Fingerabdr�cken versehen, zerkratzt oder an den R�ndern heftig ausgefranst. Die Farbver�nderungen geben den Schnappsch�ssen h�ufig eine leicht psychedelische Note. Diese f�gt zu den teilweise �berraschend privaten Settings, in denen uns die Musikgenies hier begegnen, einen weiteren Effekt hinzu. Das Schm�kern in diesem Coffeetable-Bilderbuch - das in keiner wohlsortierten Jazzerbibliothek und in keinem coolen Boh�me-Loft fehlen sollte - wird so zu einem kurzweiligen Vergn�gen. Zu den Motiven geh�ren ein tanzender Thelonious Monk, der auf einem anderen Foto mit freiem Oberk�rper Tischtennis spielt, Miles Davis wird entspannt mit aus der Hose h�ngendem Hemd gezeigt. Die Antworten der nach ihren drei W�nschen befragten K�nstler fallen �brigens h�ufig recht �hnlich aus. Neben Frieden, Gesundheit pers�nlicher und musikalischer Perfektionierung und Wohlergehen f�r Frauen und Kinder ist es das Geld, nach dem sich die Musiker am meisten sehnen. Dies ist keinesfalls verwunderlich, eingedenk der Sozialgeschichte dieser Musikform. Die �berwiegend afroamerikanischen K�nstler geh�ren gewiss in die Ahnengalerie der Vorl�ufer und Pioniere einer Lebensweise, die man heute Prekariat nennt. Der bekannte Ausspruch, dass man sich mit K�nstlern fast nur �ber Geld unterhalten k�nne und niemand lieber und leidenschaftlicher �ber Kunst plaudere als Banker, findet hier reichlich neue Belegstellen. Eine kleine Auswahl des artikulierten Begehrens nach finanzieller Sicherheit klingt etwa so: "Genug Geld zu besitzen, um mir einen eigenen Club kaufen zu k�nnen." (Roy Eldridge), Charles Mingus kommt erst mit Verz�gerung drauf: "ICH HABE KEINE W�NSCHE! [...] �BERHAUPT KEINE! Gut, es w�re nicht schlecht, genug Geld zu haben, um meine Rechnungen bezahlen zu k�nnen!". Bob Brookmeyer w�nscht "1. Eintausend Dollar! 2. Eine Million! 3. Eine Billion! (Und Frieden)". Wynton Kelly steigert sich �hnlich: "1. Ein bisschen Geld zu verdienen. 2. Mehr Geld zu verdienen." Jimmy Forrest begehrt "eine Million... eine Million...eine Million!" Benny Carter w�nscht in fallender, sich bescheidender Reihung - verdient aber offenbar schon genug, um an die Steuern zu denken: "1. Drei Millionen Dollar steuerfrei. 2. Zwei Millionen Dollar steuerfrei!". Herbie Mann freilich (und andere ebenso) pr�zisiert die Bedeutung des Geldes als Wunsch nach Freiheit und zur Erm�glichung von Kreativit�t: "2. Ich glaube, ich w�re gerne reich, finanziell unabh�ngig, so da� ich die Freiheit h�tte zu spielen, was ich spielen m�chte und wann ich spielen m�chte...". Denn geschaffen wurde der Bebop und auch die nachfolgenden avantgardistischen Entwicklungssch�be des modernen Jazz nicht von Bentley-Fahrern. Die reiche Dame im Luxuscoup� war freilich vielen im Alltag behilflich und chauffierte sie auch gelegentlich, wie es die Fotos wundervoll belegen. Und uns beschenkt sie, zwanzig Jahre nach ihrem Tod, mit einem eindrucksvollen Band mit ausdrucksstarken Bildern. Die Musik muss man h�ren. Die Menschen, die sie schufen, kann man hier in vielen Aufnahmen aus gro�er N�he betrachten.
~ Thomas Staiber