Artikel geschrieben am: 01.01.70

--- (Datei: Osterjazz 2010 1. Abend)

24. Internationale Theaterhaus Jazztage, 1. April 2010 (Saal T 3 etwa 280, T 2 etwa 340 Besucher)
Der Jazz pulsiert wieder auf der Prag, und Festivalstimmung elektrisiert die Besucher des Theaterhauses. Während ein überwiegend junges Publikum sich von zwei aufstrebenden Bands aus der Region begeistern ließ, wurde im größeren Saal T 2 Jazz von internationalem Zuschnitt präsentiert: Jazz aus Moskau, Jazz aus New York. Der indoamerikanische Pianist Vijay Iyer zählt zu den besten seiner Generation. Nicht weil er besonders virtuos spielte, sondern weil er eigenwilige Blockakkorde mit seinem stark ausgeprägten Rhythmusgespür zu postmodernen Klangarchitekturen aufschichtet. In denen verbindet sich scheinbar Unvereinbares zu einem stringenten Ganzen: Kalkulation und Intuition, Historizität und Subjektivismus, Okzident und Morgenland. Heterogene Klangmaterialien begegnen sich da, reiben aneinander, bevor sie schließlich eins werden. Begleitet wird der 37-Jährige von einer sehr starken Rhythmusgruppe. Applaus für dieses US-Trio, das einen derart aussagekräftigen Jazz macht, Jazz aus einem Guss.
Während sich in Saal T 3 ein überwiegend junges Publikum vom Stuttgarter Vokalensemble Rebop auf eine fröhliche Zeitreise in die späten 50-er Jahre des Jazz mitnehmen ließ, zog im größeren Saal das Moscow Art Trio die Menschen in seinen Bann. Liebevoll gespielte russische Folklore und norwegisches Liedgut wurden da eingebettet in eine zeitgenössische Klangsprache, die von stampfenden Tanzrhythmen bis zu zartesten Jazzarpeggien reichte. Mikhail Alperin am Flügel zitierte Strawinsky und Eisler oder ließ Klezmerklänge in sein kultiviertes Spiel einfließen. An seiner Seite faszinierte der Sänger Sergej Starostin im Russenkittel und mit Stulpenstiefeln das atemlos lauschende Publikum. Seine Stimme ist reich an Obertönen und umfasst ein großes Spektrum von alten Volksweisen, Sakralgesang und Klassik. Dazwischen blies er in diverse Holzflöten und Kuhhörner. Der Dritte im Bunde, ein klassischer Blechbläser mit dem schönen Namen Arkady Shilkloper, rundete mit warmen Tönen diese besondere zu Herzen gehende Musik ab. Unterdessen erfreute die aparte Pianistin Olivia Trummer aus Kornwestheim, eines der größten Talente des jungen deutschen Jazz, mit ihrer tollen Band das Publikum im anderen Saal. "Nobody Knows" heißt ihre heute erscheinende CD. Thomas Staiber


~ Thomas Staiber

Deko Füller
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