Artikel geschrieben am: 01.01.70

--- (Datei: Osterjazz 2007 6.,7.,8. April)

Osterjazz 2007 – Karfreitag, TH
Jazz geht gegen den Strich und schreckt ab. An Ostern jedoch trifft sich im Theaterhaus seit 22 Jahren ein Völkchen, das – billiger Harmonie abhold – vom Freiheitsversprechen und der Vielfalt des heutigen Jazz magisch angezogen wird. Wer als Veranstalter da auf Planungssicherheit setzt, dem fallen leicht die Haare aus, denn diese Leute bestellen nicht vor, sie schauen spontan vorbei, drängeln sich an der Abendkasse, plaudern, stellen das Prosecco-Glas ab, schlendern hinauf zum großen Saal oder später zum „Festival spezial“ in den Saal T 2. Dort wird später Erika Stucky, die Galionsfigur und das Zugpferd des Jazzländerspiels, für offene Ohren und lachende Gesichter sorgen.
Derweil musiziert - prominent besetzt - Big Zoom im T 1. Es entwickelt sich eine wunderbar leichte und luftige Musik, die den Klarinettenhöhenflügen von Claudio Puntin und dem großhubigen, aber sehr feinen Gebläse des deutschen Posaunisten Nils Wogram Spielräume bietet. Lucas Niggli tanzt quasi seinen Rhythmus stringent federnd am Schlagzeug heraus. Das helvetische Quintett verbindet die wohltemperierte Ordnung eines kleinen Kammerorchesters mit der Improvisationskunst von starken Jazzern – Schmetterlinge in blühenden Gärten.
Wieder punktet die Schweiz.
Jazzhelden der lokalen Szene machen sich daran, musikalische Grenzen zu überwinden. Doch fehlt Limes X, dem Preisträgertrio, bei ihrer heftigen Passionsmusik dieses Mal die nötige Lockerheit, und Pianist Patrick Bebelaar muss sich nach dem Auftritt sogar trösten lassen. Statt Rock-Jazz aus den 70-er Jahren anzuliefern, überraschen die vier Schweizer Kracher von OM mit experimentellen, wenn auch nicht mehr ganz marktfrischen Sounds über knackigen Beats. Nach wenig zugkräftigem Spaß-Jazz der Kerber-Brüder aus dem Allgäu zeigte die Entertainerin Erika Stucky, wo im alpinen Raum der Hammer hängt. Ihr Charisma, ihre unbändige Energie, ihre Lust an blitzschneller Verwandlung und vor allem ihre gesanglichen Qualitäten rissen das Publikum vom Hocker – und am Ende der Show gar zu Hopp-Schwyz-Rufen hin. Begleitet von einem Drummer und zwei Bläsern (Alphörner, Muscheln, Posaunen), wechselte Erika Stucky - stets authentisch - vom breiten Kaugummiamerikanisch zum heimeligen Schwyzerdytsch, vom New-Orleans-Voodoo („I Put A Spell On You“) zum Jodler („Zeuerli“) aus dem Emmental.
Schon wieder - man scheut sich fast es zu sagen - punkten die Eidgenossen. Höchste Zeit für einen Anschlusstreffer!








~ Thomas Staiber

Deko Füller
Familienbild