Artikel geschrieben am: 01.01.70

--- (Datei: Osterjazz 07 Vorbericht)

Osterjazz Theaterhaus 2007
„Hopp, Schwyz!“, „Deutschland vor!“
Gründonnerstag um 20 Uhr ist Anpfiff zum Länderspiel Deutschland – Schweiz. Spielort: das Theaterhaus Stuttgart, Spielzeit: fünf Tage, Zahl der Spieler: rund einhundert ( darunter bloß zwei Frauen). Die ganze Sache verspricht spannend zu werden, auch wenn beim Jazzländerspiel der Gewinner schon feststeht: das Publikum. Das fragt sich: Wie tönt die Schweizer Jazzszene? Wie klingt die deutsche im direkten Vergleich? Gibt es Typisches auszumachen? Wird da etwa gejodelt? Wie gehen die Jazzer mit Klischees um? Wen würden wir in eine deutsch-helvetische Auswahlband wählen?
Und es geht gleich gut los. Die Schweiz stellt mit Depart eine Formation auf, die mit einer aberwitzigen Mischung von hochenergetischem Großstadtjazz und alpiner Folklore die Leute vom Hocker reißt. Und: Es wird tatsächlich gejodelt! Während Tales In Tones, ein wunderbares Preisträger-Trio, mit Jazzlounge-Trompeter Joo Kraus konzertiert, singt die „nixenhafte“ Inga Lühning (Focus) mit einer deutschen Jazzcombo vertonte Gedichte von W. H. Auden.
Mit Risikobereitschaft und breit gefächerter Stilistik trumpft am Freitag Big Zoom, das Quintett des Schweizer Drummers Lucas Niggli auf. Die Lokalmatadoren von Limes X vertreten danach die deutschen (Klang-)Farben. OM nennt sich nach einer Coltrane-Platte ein Schweizer Jazzrockquartett der ersten Stunde. Wer elektrischen Jazz mit hammerharten Rhythmen mag, ist hier richtig. Auch mit viel Drive, aber ausgelassen, schräg und lustig, liebt es die singende und Akkordeon spielende Entertainerin Erika Stucky. Vor einem Vierteljahr starb der große Tenorsaxophonist Michael Brecker. Ihm widmen vier exzellente Holzbläser aus Deutschland ein Band-Projekt, auf das man gespannt sein kann.
Gitarrist Harald Haerter hat Joe Lovano (sax) und Eric Truffaz (t) in seine Gruppe gebeten. Wir erwarten eine Musikstunde auf höchstem Niveau. Jungen deutschen Jazz präsentiert zurzeit kaum einer besser als der Pianist Michael Wollny, der mit seinem Trio [em] auf das innovative Sextett Berlin Calling treffen wird, das Jazz macht zwischen Größenwahn und Trash, Hektik und Melancholie – ganz wie die Stadt, aus der es anreist.
Den Sonntag bestreitet die Schweiz allein. Weltstars werden auflaufen: das Pianotrio von Joe Haider und George Gruntz mit einem Double Quartet. Danach musizieren zwei jüngere und deshalb international noch nicht so erfahrene Formationen: OUA.CH und BraffOesterRohrer. Letztere inszenieren ihr Konzert als „Liebesritual“. Schaumor mal, würde Kaiser Franz da wohl sagen.
Den Ausklang am Ostermontag besorgen die messerscharfe Combo Ronin und das Ensemble von Pierre Favre, das Jazz mit Weltmusik kreuzt. Heraus kommt – wie es das Programmheft ankündigt – „eine elegante, kurvenreiche Musik.“ Nach solchen Höhepunkten bleibt Theaterhaus-Meister Werner Schretzmeier nur noch, das 1. Jazzländerspiel. abzupfeifen und das nächste mit Österreich an Ostern 2008 anzukündigen. Thomas Staiber

~ Thomas Staiber

Deko Füller
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