Artikel geschrieben am: 01.01.70
--- (Datei: Oehler - Kühn, Theaterhaus 20.12.2009)
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Karin Oehler, voc – Axel Kühn, b Theaterhaus, 20.12.2009
Eine Frau und ein Mann, eine weibliche Stimme und ein Bass – mehr braucht es nicht, um einen Liederabend auf die Bühne zu bringen, der lange nachwirkt. Die Frau ist die Vokalistin Karin Oehler, in Stuttgart als Dozentin für Gesang und Interpretation bei „Go Vocal“ tätig, der junge Mann am Kontrabass heißt Axel Kühn, seines Zeichens Landesjazzpreisträger 2009. Dessen außergewöhnlich große musikalische und musikantische Begabung, seine technische Finesse und Einfühlsamkeit sind für sich schon ein besonderer Hörgenuss. Wie er der strahlenden Stimme von Karin Oehler warm und tief antwortet, wie zurückhaltend er sie begleitet, wie schön und phantasievoll er seine Solos gestaltet – das begeistert die Konzertbesucher des Theaterhauses.
Natürlich dreht sich bei den Liedern alles ums Lieben und Geliebtwerden, ums Verlassen und Verlassenwerden, um Liebeslust und Liebesleid. Den Inhalt von jedem Lied stellt Karin Oehler mit ein paar geistreichen Bemerkungen vor. Sie überträgt es ins Deutsche, sodass sich das Publikum ganz in den Klang der Sprache hineinfühlen kann. Nahezu akzentfrei singt sie mit klarer Stimme, der deutlich anzuhören ist. Sie tut das so intensiv und glaubwürdig, als ob sie auf dem Liebeskarussell selbst schon die eine oder andere Runde gedreht hat, als ob sie die lustvollen Seiten der Liebe ausgekostet, ihre schmerzhaften durchlitten hat. Vieles davon hat der 28-Jährige, ihr junger Begleiter und ihre männliche Gegenstimme an diesem Konzertabend, noch vor sich. Auch dieser Kontrast von Erfahrung und Jugend ist reizvoll zu sehen und zu hören.
Das Programm, das die ostdeutsche Vokalistin zusammengestellt hat, enthält viele der schönsten Jazzsongs und Filmmelodien. Einen ganzen Liederzyklus widmet sie Michel Legrand, seiner französischen („Les Parapluies De Cherbourg“) und seiner Hollywood-Phase („On My Way To You“). Sie interpretiert „Don’t Explain“, das Billie Holiday bekannt gemacht hat, das Lied einer Frau, die betrogen wurde, aber froh ist, dass ihr Mann zurückgekommen ist. Bei „Cry Me A River“ will auch einer zurück, erhält aber von der Verlassenen eine kühle Abfuhr, in der ihre geweinten Tränen allerdings noch zu spüren sind. Karin Oehler singt das relativ schnell, viel schneller etwa als ihre große Kollegin Diana Krall. Das Gedicht „Les Feuilles Mortes“ von Jacques Prévert wurde durch die Vertonung von Kosma unter dem Namen „Autumn Leaves“ zu einem Standard des Jazz. Miles Davis etwa hat es wunderbar gespielt. Auch hier geht es um eine vergangene Liebe, die als wehmütige Erinnerung in einem Lied weiterlebt. Karin Oehler singt es auf Französisch mit anrührender Intensität, Axel Kühn begleitet federnd und lässt es mit einem inspirierenden Solo ausklingen. Die letzte Melodie des Konzertabends, ein Largo von Dvorák, entlässt die Menschen nachdenklich in die Winternacht: Vielleicht erinnern sie sich an eigene gelebte Erfahrungen, die im Wohlklang der Duo-Musik aufgehoben worden.
Thomas Staiber
~ Thomas Staiber