Artikel geschrieben am: 01.01.70
--- (Datei: Metheny02)
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Pat Metheny Group, Beethoven-Saal, 04. 06. 2002
Das Saallicht bleibt an. Pat Metheny schlendert lässig auf die Bühne, schaut sich die Leute im gut gefüllten Beethoven-Saal an, lächelt, greift zur akustischen Gitarre, setzt sich auf einen Hocker, schlägt die Beine übereinander und spielt. In diesem Spiel ist der folgende dreistündige Konzertabend, eigentlich die ganze Musik des 47-jährigen Supergitarristen wie in einem Keim angelegt:
Scheinbare Einfachheit, in Wirklichkeit komplexe, schwer nachzuspielende Strukturen, metrische Raffinesse, brillante Klarheit, hohe Ideendichte, epische Breite, Neigung zum Schwelgerischen, äußerste Präzision und eben dieses wunderbar geschmeidige Fließen, das ihn so berühmt gemacht hat. Auch als er danach – vom neuen, ganz ausgezeichneten Schlagzeuger Antonio Sanchez aus Mexiko begleitet -zur E-Gitarre greift, wird die Sache zwar angriffslustiger, härter, aber nie kalt oder gar brutal, und das Fließen der Musik geht stark und unbeirrbar weiter. Mit einem triumphalen Schlussakkord verdunkelt sich schlagartig die Szene.
Die anderen Bandmitglieder finden im nervösen Schein der Taschenlampen zu ihren Instrumenten. Wie aus einem Guss beginnt die neu formierte Pat Metheny Group unter der beweglichen Farbenpracht der light-show zu spielen. Bewährte Kräfte sind der introvertierte Keyboarder Lyle Mays mit virtuosem Tastenspiel und einer gewissen Neigung zu hymnischen Formen und Steve Robby, dessen Kontrabass man eher fühlt als hört und der der Band ihren Puls gibt. Neue Akzente setzen Richard Bona (voc, perc) aus Kamerun (im Fußballtrikot seines Landes) und Cuong Vu, der mit seiner elekrtisch verzerrten Trompete die Klangflächen jederzeit aufrauen und dynamisieren kann.
Im Zentrum aber strahlt Pat Metheny. Die eigene Musik versetzt ihn offensichtlich in einen Zustand der Glückseligkeit, den er wohl mit dem Publikum teilen möchte. Und dafür tut er einiges. er schont weder sich noch die Band. Ein Jahr dauert die Welttournee der PMG, allein 45 Europa-Konzerte geben sie in zwei Monaten. Und jedes davon dauert über drei Stunden! Ein kreativer Kraftakt folgt dem anderen.
Da ist es verständlich, dass sich manche seiner Fans eher ein Live-Konzert als die neue CD („Speaking Of Now“) leisten. Und sie bekommen viel Musik für’s Geld.
Methenys musikalisches Konzept, das sich seit „Watercolors“ von 1977 nicht wirklich verändert hat, greift erstaunlicherweise nach wie vor. Man kann diese bombastischen (aber stets punktgenauen) Arrangements, die ewigen Steigerungsmechanismen, den hymnischen Ton ablehnen, vor der klanglichen und melodischen Schönheit dieser Musik kapitulieren schließlich aber selbst kritische Geister. Auch sie geben sich dieser weichen Stärke, diesem wunderbaren Fließen der Musik hin und lassen sich treiben. Wohin auch immer. In zerklüftete Jazzlandschaften, angenehme Folklore-Regionen, harte Rockjazzbereiche und bisweilen bis an die honigsüßen Ränder des Kitsches.
Thomas Staiber
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~ Thomas Staiber