Artikel geschrieben am: 01.01.70
--- (Datei: Memorialkonzert für Charlie Mariano)
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Memorialkonzert für Charlie Mariano, Mittwoch 28.10.2009, 19h45, Theaterhaus
Vor vier Monaten ist Charlie Mariano im Alter von 85 Jahren in seiner Kölner Wahlheimat gestorben. Im Theaterhaus, in dem der italo-amerikanische Saxophonist seit 1984 häufig in verschiedenen Formationen aufgetreten war, findet nun ein Memorialkonzert zu seinen Ehren statt.
Das Stuttgarter Publikum hatte Ugo Carmine Mariano, den alle Charlie riefen, im Lauf der Jahre lieb gewonnen wie einen Freund. So könnte man es eine glückliche Fügung nennen, dass das letzte große Konzert Marianos im November vergangenen Jahres im Stuttgarter Theaterhaus stattfand. Allen, die es erlebt haben, ist es noch frisch in Erinnerung. Wir erlebten einen alten, von seiner schweren Krebserkrankung gezeichneten Mariano, der in der Musik ganz zu sich selbst fand und in der Begegnung mit den befreundeten Musikern geradezu aufblühte. Alles Nebensächliche hatte er bei seinem eindringlichen Spiel beiseite gelassen und bei jedem seiner wunderbaren Solos den musikalischen Kern herausgeschält. Die Klarheit und die Schönheit von Kompositionen wie Plum Island oder der seiner Frau gewidmeten Nummer Randy berührte damals die Menschen im Publikum und nicht zuletzt die Musiker auf der Bühne.
„Die elf Freunde, die mit ihm musizieren, begegnen ihm mit Respekt und Zuneigung. Sie achten ihn, weil er ein Jazzmusiker ist, der aus dem Vollen der Jazzgeschichte schöpft und keine Berührungsängste kennt, und sie lieben ihn wegen seiner Warmherzigkeit, seiner heiteren Gelassenheit. Zugleich ist eine Wehmut, ein Hauch von Abschied zu spüren, denn niemand weiß, ob Mariano wiederkommen kann, wie lange er noch leben wird. So war dieser Abend auch wie die Summe eines Lebens für den Jazz“, hieß es damals in der Konzertkritik der Stuttgarter Nachrichten.
Werner Schretzmeier hat nun seine Idee, die Musiker dieses denkwürdigen Konzerts noch einmal zu Ehren von Charlie Mariano nach Stuttgart ins Theaterhaus einzuladen, in die Tat umgesetzt. Die Memorialband mit dem wunderbaren Gitarristen Philip Catherine, dem temperamentvollen Jasper van’t Hof am Flügel, Marianos langjährigem Duopartner Dieter Ilg am Bass und Aldo Romano am Schlagzeug wird die Kompositionen noch einmal spielen. Marianos Saxophonpart übernimmt dabei Bobby Stern aus New York, der auch schon vor einem Jahr dabei war, für Entlastung sorgte und mit seinen Chorussen großen Anklang gefunden hatte. Das Karnataka College of Percussion erinnert dann an die tiefe Affinität des verstorbenen Holzbläsers zur indischen Musik, bevor das Stuttgart Jazz Orchestra mit mächtigen oder auch hauchzarten Klängen die Musik Marianos spielen wird. Die Leitung dieses Projekts hat Pianist Wolfgang Dauner übernommen, Stuttgarts großer Jazzmusiker und Marianos alter Freund.
Thomas Staiber
~ Thomas Staiber