Artikel geschrieben am: 01.01.70

--- (Datei: Melody Gardot 2008 Bix)



Melody Gardot, 19.7.2008, Bix Die zahlreichen Besucher freuten sich auf eine junge Sängerin aus Philadelphia mit dem hübschen Vornamen Melody. Warten auf Gardot. Melody Gardot, zuletzt auf dem Jazzfest von Montreux, dem North Sea Jazz Festival und dem Blue Note Jazz Fest in Gent, sollte nach dem Stuttgarter Konzert zum Newport Jazz Festival weiter reisen. Mini Schulz vom Jazzopen hatte also schon das richtige Gespür, auch wenn manche, die sich gern mit dem Einsortieren in Genreschubladen beschäftigen, der 23-Jährigen vorwerfen, deren Songs hätten nicht viel mit Jazz am Hut. Und jetzt steht sie auf der Bühne des Bix. Langes blondes Haar, getönte Brille, Seidenbluse, enger Rock und Schuhe mit Absätzen, die ein Mafioso als Stichwaffen einsetzen würde, hätte er kein Stilett zur Hand. Ihren Gehstock, den sie nach einem schrecklichen Unfall vor vier Jahren benutzt, brauchte sie eigentlich nicht mehr. Aber langes Stehen bereitet ihr Schmerzen. Also setzt sie sich zwischendurch ans Klavier oder auf einen Stuhl und begleitet sich auf der Gitarre. Losgeht es jedoch A Capella, vom Fingerschnipsen des Publikums rhythmisiert. Und sofort ist klar: Diese Melody Gardot hat eine wunderbare Stimme, eine dunkle weiche Stimme, die für den Blues und für Sehnsuchtslieder taugt und die direkt zu Herzen geht. Ausgesprochen verführerisch ist das, wenn sie mit einem feinen Vibrato die Wörter ausklingen lässt. Sie wischt sich eine Strähne aus der Stirn, nimmt einen Schluck Weißwein, macht einen Schmollmund (leider auch eine wenig amüsante Bemerkung über "Hitler-Dutch") und singt das erotische Lied "Sweet Memory". Der Kontrabassist spielt hingebungsvoll, nicht minder sensibel bürstet der Drummer seine Felle, und Patrick Hughes bläst eine gestopfte Chet-Baker-Gedächtnistrompete. Sehr fein. Der Blues entstehe aus dem Schmerz, sagt die 23-jährige Amerikanerin und weiß, wovon sie redet. Ihre Liebe zur Musik und ihr Wille zu überleben haben sie gerettet -und dem Publikum eine wunderbare Sängerin beschert. Melody Gardot, beileibe kein Klageweib, ist eine junge blühende Frau mit einer starken erotischen Ausstrahlung. Nicht nur durch die Stimme. Ihren zweiten Vornamen Joy trägt sie nicht umsonst. Nomen Est Omen. Im Bix steigt die Temperatur. "So Many Sexy People Here", erklärt Gardot die Hitze und meint wohl vor allem sich selbst. Plötzlich - sie interpretiert gerade sehr gekonnt Ellingtons "Caravan" - kommen zwei dunkelhäutige Jazzmusiker mit großen Sonnenbrillen auf die Bühne. Cool Cats. Der eine setzt sich ans Klavier und spielt einen umwerfenden Chorus in bester Thelonius-Monk-Manier, der andere bläst mit seinem glänzenden Trompetenstrahl auf einmal die ganze Schmusestimmung weg und verlässt unter dem begeisterten Beifall der Menschen wortlos den Band-Stand. Roy Hargrove, der Jazzstar vom Pariser Platz, hatte vorbeigeschaut. Solche Jam-Sessions zu später Stunde und die außergewöhnlich guten Konzerte wie das der tollen Esperanza Spalding, des zirzensischen James Morrison, der erstaunlichen Bigband Sacre Du Tympan, der hochenergetischen Combo von James Carter und zuletzt die sexy Stimme von Melody Gardot haben das Bix zur "Seele des Festivals" gemacht. Hautnah erlebte das fachkundige und begeisterungsfähige Publikum in der dichten Atmosphäre eines exzellenten Clubs Sternstunden des heutigen Jazz. So kann, so sollte es weitergehen!       Thomas Staiber beigefügt: Nikolai Staiber, 11, um halbzwölf und kurz vor eins
















~ Thomas Staiber

Deko Füller
Familienbild