Artikel geschrieben am: 01.01.70

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Charlie Mariano zum 80. Geburtstag, 12.11.03
„Herzlichen Glückwunsch zum 80. Geburtstag, Charlie!“ Wie oft und in wie vielen Sprachen wird er das dieser Tage hören und lesen! Hunderte von Glückwünschen, formuliert von Musikern, Kritikern, Freunden und Fans werden ihn daheim in Köln und heute bei den Leverkusener Jazztagen erreichen.
So wie er sollte man alt werden! Mit dieser warmherzigen bescheidenen Ausstrahlung, so fernab aller Zynismen und Egotrips, im Stande, Bewegung ins Gefühlsleben zu bringen, sein Innerstes nach außen zu kehren, immer offen für neue Ideen, den Menschen zugewandt, mit Respekt und Zuneigung zu kommunizieren, ohne sich durch Barrieren oder Vorurteile einschränken zu lassen.
So einen Großvater hätte man als Kind gern gehabt! So einen lieben, der einem Geschichten von fremden Ländern und interessanten Menschen erzählt und der einen dann in den Schlaf singt oder leise Flöte spielt.
Denn ein Reisender war er Zeit seines Lebens - auch wenn er nun Köln, seine deutsche Lieblingsstadt, zu seinem Alterssitz, zur Basisstation seiner Tourneen erkoren hat. Charlie Mariano - ein Reisender in der Zeit, der seit den 40-er Jahren immer auf der Höhe der Stilentwicklung war und Swing, Bebop, modalen Jazz und Jazz-Rock mitgeprägt hat. Ein Reisender auch im Raum: als Sohn musikalischer Einwanderer in Boston, der sich von Lester Young faszinieren lässt und mit Quincy Jones, Stan Kenton oder Charles Mingus musiziert, der nach New York und Chicago zieht, immer auf der Suche nach neuen Impulsen, Herausforderungen und Glücksmomenten. Als Ehemann der japanischen Pianistin Toshiko Akiyoshi in Fernost lebend, spielt er dort mit Astrud Gilberto, lernt später das Nagaswaram, ein südindisches Holzblasinstrument, und landet schließlich in Europa, sorgt bei Gruppen wie Ambush, Pork Pie, Colours und dem United Jazz And Rock Ensemble mit seiner eindringlichen Saxophonstimme für Furore. 1993 steigt er beim United aus, um im Duo mit Wolfgang Dauner zu spielen oder wie zuletzt mit den Hübner-Brüdern im Quartett von Richie Beirach.
Das Faszinosum Mariano ist darin begründet, dass er weich und lebendig bleibt, staunen kann wie ein Kind und ständig dazu lernt, um sich endlich auf das Wesentliche konzentrieren zu können. Bei seinen mitreißenden Improvisationen schält er den musikalischen Kern heraus und betont das Einfache, Bedeutsame und Klare. Er zeigt sich ehrlich und nicht geschwätzig. In der Balance mit sich und anderen. So erreicht Mariano mit seinem kraftvoll-intensiven Saxophonspiel und seiner Gelassenheit die Herzen des Publikums und beschenkt damit sich selbst - und uns auch. Thomas Staiber

~ Thomas Staiber

Deko Füller
Familienbild