Artikel geschrieben am: 01.01.70

--- (Datei: Mariano - Fonseca 02.05.2008)

Charlie Mariano – Philip Catherine – Jasper van’t Hof
Roberto Fonseca und Band
02. 05. 2008, Theaterhaus T 1
Drei Musikergenerationen unter einem Dach. Zunächst ließ Charlie Mariano, 83, mit zwei Freunden, die seine Söhne sein könnten - nämlich mit dem belgischen Gitarristen Philip Catherine und dem holländischen Pianisten Jasper van’t Hof – die legendäre Band Pork Pie wieder aufleben, die Mitte der siebziger Jahre europäische Jazzrock-Geschichte geschrieben hat. Mariano auf der Bühne zu erleben ist keine Selbstverständlichkeit mehr. Immer öfter muss der in Köln wohnende Saxophonist wegen seiner angeschlagenen Gesundheit Termine absagen. Glück im Unglück: Seiner Energie, von der sein inbrünstiges Spiel lebt, konnte die Krankheit bei diesem denkwürdigen Konzert im gut besuchten Theaterhaus nichts anhaben. Wie ein musikalisches Feuer entfacht wird und wie hoch die Flammen schlagen, zeigt das Trio, das sich nach einer Mingus-Komposition Pork Pie nannte. Beileibe kein Altherrenjazz wird da vorgeführt. Ein Wiegenlied aus der LP „Sleep My Love“ eröffnet weich schaukelnd das Konzert. Catherines schönes Saitenspiel auf der akustischen Gitarre erinnert von fern an Django Reinhardt, während ein ausgelassener Jasper van’t Hof mit einem Sturzbach perlender Klaviertöne auf das eindringliche und tief beseelte Altsaxophonspiel Marianos antwortet. Klarheit und Geheimnis, Sanftheit und Kraft, Erinnerung und gelebter Augenblick, Dissonanz und Harmonie beleben diesen europäischen Jazz. Dass ein Amerikaner, der einmal mit Charlie Parker Bebop gespielt hat, hier das Altsaxophon bedient, ist kein Widerspruch. Schon lange nämlich fühlt sich Mariano wie ein Europäer. Und in diesem Trio ohne Bass und Schlagzeug kann er aus dem Vollen schöpfen. „Die Flamme brennt noch – und wie“, sagen in der Pause anerkennend begeisterte und ergriffene Zuhörer. Sie hoffen, dass dem 28. Auftritt Marianos im Theaterhaus noch weitere folgen können.

Auf den druckvollen karibischen Rhythmuswellen seines hervorragend eingespielten Quintetts surft der junge kubanische Pianist Roberto Fonseca mit fließendem Tastenspiel durch den Klangraum: Er erweist sich als geborener Musikant, als Virtuose der Vielfalt von großem Einfallsreichtum. Jazzige Uptempo-Nummern, geschmeidige Rumbas, süße melodienselige Balladen, spröde orientalische Skalen, ein liebes Lied für Ibrahim Ferrer, gar eine elektronische Disconummer und ein melancholischer Tango finden sich in Fonsecas Programm. Das Theaterpublikum lässt sich von den temperamentvollen Kubanern mitreißen, singt auf ein Zeichen Fonsecas vielstimmig „Zamazu“ und träumt von Sonne und Meer. Das tut vielleicht auch der erschöpfte, aber glückliche Charlie Mariano, den seine Frau Dorothea zum nahe gelegenen Hotel begleitet hat.
Thomas Staiber


~ Thomas Staiber

Deko Füller
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