Artikel geschrieben am: 01.01.70
--- (Datei: Mangelsdorff-Tribute25.07.06)
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Ein musikalischer Staffellauf
Tribute to Albert Mangelsdorff, 25.07.06 Theaterhaus ( BW-Bank-Jazzopen )
Das große Stuttgarter Festival BW-Bank-Jazzopen kam für eine Nacht zurück ins Theaterhaus. Kein Zufall. Geehrt wurde an seinem ersten Todestag Albert Mangelsdorff, der diesem Haus und besonders seinem Chef Werner Schretzmeier seit vielen Jahren eng verbunden war. Konzerte, an denen der große Posaunist aus Frankfurt maßgeblich mitwirkte, waren in der Tat „Heimspiele des Jazz“.
Den Auftakt machte Lokalmatador Wolfgang Dauner, der mit Mangelsdorff vier Jahrzehnte Jazz gemacht hat und ihm menschlich zugeneigt war. Dauners Reaktion auf die Todesnachricht vor einem Jahr: „Albert ist tot, aber seine Musik wird bleiben.“ Wie lebendig die ist, zeigte Dauner mit Nils Wogram, einem ganz starken Posaunisten aus der jüngeren Jazzgeneration. Unter einem überlebensgroßen Mangelsdorff-Lichtbild von Jörg Becker intonierte Wogram „Hut ab!“, zirkular atmend, als hätte der große Mangelsdorff sein Instrument in junge Hände weitergegeben. Der Jazz lebt, hieß die Botschaft, auch wenn der vielfach ausgezeichnete Botschafter des deutschen Jazz vor einem Jahr am Ziel seines Lebens angekommen ist. Quicklebendig wirkt heute dieser Jazz, ein wenig ungestüm und natürlich noch ohne die Seelentiefe des Meisters. Dauner begleitet und führt Wogram durch die zerklüfteten Landschaften der Mangelsdorff-Kompositionen. Der Mann am Flügel ist ganz in seinem Element, er sublimiert spielend die Trauer über seinen toten Freund. Wie der Wind Halme bewegt spielt er mit daunenweichen, dahin fließenden Klaviertönen beim Intro von „Wheat“, Wogram antwortet mit vollem Posaunenklang. Dauners Rechte weiß genau, was die Linke will. Sein Rhythmusgefühl ist stark, phantasievoll, empfindsam und entschieden sein Spiel. Wie Feder und Nut greift das Duo in einander. Ein erster Jazzgipfel auf der Prag.
In den 60-er und 70-er Jahren spielte das pianolose Mangelsdorff-Quintett mit Ralf Hübner am Schlagzeug, Günter Lenz am Bass, den Saxophonisten Heinz Sauer und Günther Kronberg und dem Bandleader. Sauer, Lenz und Hübner sind übrig geblieben und kamen zum Tribute-Konzert nach Stuttgart. Zuständig für den Zusammenhalt: Bob Degen am Klavier, an der Posaune: Meisterschüler Stefan Lottermann. Die Band spielt quasi in Zeitlupe, angetrieben von einem trägen, mächtigen Rhythmus. Ein Rhythmus wie ein Mühlrad. Dem Fluss der Klänge werden Widerstände entgegen gestellt, es kommt zu Strudeln und Gegenläufen. „Certain Beauty“ heißt eine Mangelsdorff-Nummer, „25th Of July“ eine, die Kontrabassist Günter Lenz zum Todestag des Kollegen geschrieben hat. Das ist Musik, die volle Aufmerksamkeit erfordert, Musik, die ihre Schönheit nicht auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten feil bietet, das ist intensive Musik. Jazz für und von Albert Mangelsdorff. Thomas Staiber
~ Thomas Staiber