Artikel geschrieben am: 14.12.09

Haffner – Neergaard


Mit gebändigter Kraft, die aus der Ruhe kommt, spielt Wolfgang Haffner Schlagzeug. Tiefenentspannt und hochkonzentriert schlägt er zunächst mit bloßen Händen auf Trommelfelle und Becken, um den Rhythmus zu spüren und spürbar zu machen. Im doppelten Tempo wie die dröhnende Bass-Drum hebt und senkt sich zischend das Hi-Hat. Rund und auf Hochtouren läuft der Rhythmusmotor, der das Trio antreibt. Haffner, gerade 44 geworden, spielt längst in der Champions League des Jazz. Bei etwa 400 CDs hat er als Sideman getrommelt. Im Theaterhaus aber stellt er ein eigenes Projekt vor mit lauter Stücken, die er geschrieben hat. „Round Silence“ heißt es und ist auch beim Konzert eine runde Sache. Lars Danielsson, einer der besten Kontrabassisten weltweit, bringt mit seinem tiefen Holzton harmonische Wärme ins Spiel. Ein ideales Klima, um in diesem Klangraum Klaviermelodien aufblühen zu lassen. Die zaubert Hubert Nuss, seines Zeichens Musikprofessor in Köln, auf die 88 Tasten. Alles fließt. Geschmeidig, entspannt und punktgenau. So schön ist diese frische lebendige Improvisationsmusik, dass viele im gut gefüllten großen Saal des Theaterhauses mit geschlossenen Augen lauschen und am Ende begeistert applaudieren.

„Be Still My Heart“ – mit diesem Erfolgslied eröffnet Silje Neergaard den zweiten Teil der Jazznacht. Eine ähnlich angenehme Stimmung durchweht ihr Konzert, auch wenn die norwegische Viermann-Combo nicht an die Qualität des Haffner-Trios heranreicht. Was vorher mit seiner Lebendigkeit und Schönheit faszinierte, gefällt jetzt, weil es hübsch ist. Die meist verträumten Songs aus der aktuellen CD „A Thousand True Stories“ müssen an diesem Abend ganz ohne Streichorchester auskommen. Das mag mancher bedauern, andere finden den Verzicht auf musikalische Zuckergüsse durchaus bekömmlich. Stattdessen hat die blonde 43-jährige Vokalistin eine finnische Harfe mitgebracht, mit der sie - mit einem kurzen Kleidchen malerisch auf einen Barhocker drapiert - sich selbst anmutig begleitet. Darüber erklingt ihre  glockenhelle Mädchenstimme, die sich vibratolos ins Gedächtnis hinein singt. Für Jazzfreunde kitschig, für’s Gemüt gut gelaunter Pop-Fans genau das Richtige.


~ Thomas Staiber

Deko Füller
Familienbild