Artikel geschrieben am: 01.01.70
--- (Datei: Malia05)
---
Malia – 18. 01. 05 Mozartsaal
Vor drei Jahren ist sie wie aus dem Nichts aufgetaucht. Mit dem Debut-Album Yellow Daffodils - von André Manoukian wie eine Delikatesse produziert - und dieser warmen sinnlichen Stimme, die aus der Dunkelheit zu kommen schien, um zu strahlen wie ein Stern, stand sie im Rampenlicht und verzauberte Publikum und Kritik. Nach ihrem Jazzopen-Auftritt vor eineinhalb Jahren betritt sie nun barfuß und schüchtern lächelnd die Bühne des gut gefüllten Mozartsaals. Sie fängt an zu singen, bloß von einer Gitarre begleitet. So wird es geklungen haben, als Manoukian zum ersten Mal Malia auf einer Demokassette gehört hat. Sofort hat er damals gewusst: Das ist die unerwartete Perle. Jetzt spielt der Franzose armenischer Herkunft, der so viele Stars produziert, in ihrer Band das E-Piano. Dahinter ein bärenstarker Drummer, der allein den Klangraum füllt, ein Tieftöner am Bass, der ihn fett und schaukelnd begleitet, und ein Gitarrist, der mit scharfen Riffs helle Noten ins Spiel bringt. Die Vier machen derart Druck, spielen so dicht und sind so laut abgemischt, dass man schon befürchtet, für den Gesang bleibe da nicht viel Raum. Weit gefehlt! Mit ihrer Energie und Lebensfreude, mit dieser ganz unangestrengten, natürlich kraftvollen Stimme hat Malia keine Mühe sich emporzuschwingen und zu ihren stimmlichen Höhenflügen anzusetzen: Von einem jazzig-rauchigen Alttimbre hinauf in die glockenklaren Höhenlagen ihrer Kopfstimme.
Nachdem eine anfängliche Anspannung gewichen ist und ein paar flachere Pop-Songs verklungen sind, groovt und rockt die warm gespielte Band, Malia tanzt wie ein ausgelassenes Mädchen, und das Publikum geht mit – soweit die Bestuhlung das zulässt. Nun singt sie Yellow Daffadils, das Titelstück ihrer ersten CD, und mit diesen Frühlingsblumen schmilzt vollends das Eis. Sie lacht, erzählt und flirtet, singt dann von ihren hübschen Schuhen, die sie heute nicht an hat, von einem Mann, der so gut aussieht, und davon, dass sie natürlich kein bisschen eifersüchtig sei. Ihre kindlich anmutende Lust, Musik zu machen und sich im Rhythmus zu bewegen, reißt alle mit und die Leute tanzen zwischen den Reihen. „It’s just a game we like to play.“ Singen kann sie alles: Pop, Rock, Jazz und Soul. Einmal nimmt sie das Tempo heraus und intoniert ein zu Herzen gehendes Liebeslied - nur von Manoukian am Fender Rhodes begleitet. Bei der Zugabe Stormy Monday, einem sehr stark interpretierten Blues, wird vollends klar, mit was für einer außergewöhnlichen Begabung diese junge Frau aus dem fernen Malawi gesegnet ist. Thomas Staiber
~ Thomas Staiber